Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)
Neue Erkenntnisse bei der Beobachtung Anderer Kontingente: Die Tätigkeit des Hauptmanns Carl Wójcik
den Philippinen sowie in China studiert hatten. Die einschlägigen Erfahrungen waren - kurz zusammengefasst: Verwundungen sind infolge der geringen Deformirbarkeit dieses Geschosses, dann infolge des glatten Schusscanals, der Kleinheit der Schusslöcher und der geringen Gefahr einer Wund- Infection im allgemeinen weniger gefährlich als früher. Nur auf „ganz nahe Distanzen“, bis auf etwa 100 m, üben die modernen Geschosse infolge der, durch die grosse Anfangsgeschwindigkeit hervorgerufenen explosiven Wirkung eine grössere Zerstörung im menschlichen Körper aus.2351 Schon um 1900 spielte jedoch die Distanz 0-100 m im eine sehr untergeordnete Rolle, da Gefechte auf größere Distanzen entschieden werden: [S]o kann man erwarten, dass in künftigen Kriegen das Verhältnis der Schwer- zu den Leicht-Verwundeten günstiger sein wird, wenn auch die Zahl der Verwundungen infolge der Durchschlagskraft der Geschosse eine grössere sein kann. Insbesondere werden Schüsse in die Weichtheile, welche an Zahl alle übrigen Schussverletzungen überwiegen, günstigere Aussichten auf Heilung bieten als früher.2152 Wöjcik meint schließlich: Das Resümé welches aus den Urtheilen über die Wirkung der modernen Geschosse hervorgeht lautet dahin, dass das moderne Gewehr mit dem Vollmantelgeschoss im allgmeinen gutartigere Verletzungen als das grosscalibrige Gewehr erzeugt und dass speciell das 8 mm Gewehr hart an der Grenze ist, von welcher abwärts das Gewehr seinen Zweck, den Gegner kampfunfähig zu machen, in vielen Fällen nicht mehr in ausreichender Weise erfüllt.2151 Eine Beschreibung des Kriegsschauplatzes Der Kriegsschauplatz Nord-China war für die meisten der beteiligten Kontingente vermutlich ein „weißer Fleck“ auf der Landkarte - die verfügbaren Beschreibungen und das Kartenmaterial waren zum Teil veraltet. Hauptmann Wöjcik legte Anfang 1901 eine geographische Übersicht des Kriegsschauplatzes vor,2354 die vor allem auf „militärisch“ Relevantes eingeht, wie Wege, Wasserstraßen, Wasserversorgung, Befestigungsanlagen (auch die „Große Mauer“), klimatische Gegebenheiten und auf die Bevölkerung. Die Darstellung Wöjcik ist wesentlich detaillierter als der kurze Abriss, den Winterhaider in „Kämpfe in China“2355 gibt. Die beiden Darstellungen weichen zum Teil erheblich von einander ab. Ohne auf hier im Einzelnen auf die Darstellung Wöjcik eingehen * 1901 Neue Erkenntnisse bei der Beobachtung anderer Kontingente ... 2351 2352 2353 Bei älteren Systemen war die Anfangsgeschwindigkeit der Geschosse weit geringer. KA, MS/OK 1901-X-14/2, No. 1 407, fol. 159r, Einsichtsstück des RKM Präs 2 866, Wöjcik über die Erfahrungen bezüglich der Wirkung der kleinkalibrigen Geschoße. (Wöjcik schildert detailliert die Arten der von den Geschossen verursachten Verletzungen und macht auch statistische Angaben). Ebenda. KA, MS/OK 1901-X-14/2, No. 943, fol. 80', „Einsichtsstück des RKM Präs. 2 189 v. 12. April 1901, Bericht des Hpts. Wöjcik [sic!]. Vorlage einer kurzen geografischen Übersicht des Kriegsschauplatzes in Nord-China.“ [Bericht datiert: 7.1.1901]. Winterhaider (1902), S. 1-18. 604