Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Die „Friedensverhandlungen“ zwischen China und den Mächten - Verlauf, Abschluss und Unmittelbare Folgen

Georg Lehner - Monika Lehner da die Contrôle über die Waffen-Ausfuhr in einigen der in Betracht kommenden Ländern, wie etwa den Vereinigten Staaten, deren Einzelstaaten sich in Bezug auf die Executive einer so großen Selbständigkeit erfreuen, leicht illusorisch gemacht werden könne.1829 In ähnlicher Weise äußerte sich die französische Regierung gegenüber dem russischen Botschafter, Fürst Lev Pavlovic Urusov.1830 Der russische Botschafter in Rom, Dmitrij Aleksandrovic Nelidov, äußerte gar die Bitte, den italienischen Geschäftsträger in Beijing zu ermächtigen, „an eventuellen Zusammentretungen und Berathungen der dortigen diplomatischen Vertreter über die obige Frage theil zu nehmen.“I831 Der britische Außenminister Lord Lansdowne erklärte jedoch, dass es ihm mit Rücksicht auf die Ausdehnung und die Beschaffenheit der chinesischen Küste schwierig scheine, eine strenge Bewachung der Waffen Einfuhr durchzuführen, dass er aber den englischen Vertreter in Peking beauftragen werde, ihm zu berichten, was ihm über die zur Kenntnis der russischen Regierung gelangten Umgehungen des bestehenden Verbotes bekannt sei.1832 1833 Da Sir Emest Satow aber über Anzeichen für die Löchrigkeit des Waffenein­fuhrverbots nicht berichten konnte, und da sich nach Angaben von Unterstaatssekretär Bertie Deutschland, Japan und die USA von Anfang an gegen das vorerst auf zwei Jahre befristete Waffeneinfuhrverbot ausgesprochen hatten, schien die russische Anregung wenig Aussicht auf Erfolg zu haben. Bertie meinte, Russland sei es begreiflicher Weise daran gelegen, die Einfuhr von Waffen nach Möglichkeit zu verhindern. Die Rücksichten auf den Handel, die bei anderen Staaten schwer ins Gewicht fallen, kämen bei Russland nicht in Betracht. Dazu kam die Befürchtung, dass falls das Einfuhr-Verbot thatsächlich streng und wirksam durchgeführt würde, in China selbst die Production der Waffen einen grossen Aufschwung nehmen, zunächst Tatsächlich erwies sich die Durchsetzung des Waffeneinführverbotes als schwierig und die Verhandlungen über die Verlängerung blieben im Wesentlichen ergebnislos. 1830 Fürst Urusov war nach Angaben des k. u. k. Botschafters in Paris über die Unterredung des russischen Botschafters in Wien mit Minister Graf Gotuchowski „genau unterrichtet.“ Siehe HHStA, P.A. XX1X/25, Wolkenstein an Gotuchowski, Bericht Nr. 61 [Chiffre], Paris, 3.12.1901. 1831 Ebenda, Pasetti an Gotuchowski, Bericht Nr. 71 H, Rom, 26.11.1901. 1832 Ebenda, Deym an Gotuchowski, London, 6.12.1901. 1833 HHStA, P.A. XXIX/25, Deym an Gotuchowski, London, 6.12.1901. 482

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