Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Die „Friedensverhandlungen“ zwischen China und den Mächten - Verlauf, Abschluss und Unmittelbare Folgen

Georg Lehner - Monika Lehner [...] La Chine, de son côté, reconnait naturellement la gravité de sa faute, et il est de son devoir de promettre que dans l’avenir il n’arrivera certainement plus de répétition de semblables événements. 7 China anerkennt die Verpflichtung, Reparationen zu leisten, bietet die Neuregelung der Handelsbeziehungen und eine Festlegung der Grundsätze der Beziehungen zwischen China und den Mächten an und ersucht um Einstellung der militärischen Aktionen der fremden Truppen in China.1728 Nach dem Protokoll war die Initiative zur ersten Sitzung vom Vertreter Russlands, Michael Giers, ausgegangen, der die erste Sitzung verlangt hatte, „afin de connaître le sentiment de ses Collègues sur les propositions soumises aux différentes Puissances par le Cabinet français.“1729 Diese Vorschläge Delcassé’s, die bereits erläutert wurden, sollen hier noch einmal kurz zusammengefasst werden: • Bestrafung der Hauptschuldigen • Weiterbestehen des Waffeneinfuhrverbotes • angemessene Entschädigungen für Staaten, Firmen und Einzelpersonen • Aufstellung einer ständigen Gesandtschaftswache in Beijing • Schleifung der Forts von Dagu und militärische Besetzung von zwei oder drei Punkten an der Verbindung Tianjin- Beijing, die damit immer offen bleibt - für Mitglieder der Gesandtschaften, die von der Hauptstadt zum Hafen wollen oder für Truppen, die vom Meer zur Hauptstadt wollen1730 Auf der Grundlage dieser Vorschläge erarbeiteten die Diplomaten in fünfzehn Sitzungen insgesamt „Zwölf Forderungen“. Diese „aux conditions irrévocables“1731 172 172' Ebenda, [5], 1728 ru j Ebenda. 1729 ACNP, 1ère séance, 26.10.1900 [1], Damit wird schon in der Anfangsphase der Verhandlungen eines der gravierendsten Probleme offensichtlich: Die Kommunikation zwischen den Regierungen untereinander, den Diplomaten in Beijing (die zwar selbstständig die Verhandlungen führen sollten, jedoch von Fall zu Fall instruiert wurden und daher bei jeder auch nur geringfügigen Modifikation rückfragen mussten) und zwischen Beijing und den jeweiligen Regierungen waren extrem mühselig und zeitaufwendig. Im konkreten Fall hatten sich die Kabinette im Wesentlichen auf die Vorschläge Delcassé’s geeinigt und auf dieser Grundlage den Diplomaten Vollmachten für die Aufnahme der Gespräche erteilt - und die diplomatischen Vertreter der Mächte begannen nun erneut mit Grundsatzdiskussionen. 1730 Siehe dazu: HHStA, P.A. XXIX/21, Ambassade de la République Française à Vienne an MdÂ, Vienne, 4.10.1900. 1731 PIHStA, P.A. XXIX/15, fol. 51v, „Original-Erklärung der chines. Bevollmächtigten sammt dem kaiserlichen Edicte über die Annahme der Forderungen der Vertragsmächte.“ Czikann an Gotuchowski, No. 4, Peking, 24.1.1901. 460

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