Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Die „Friedensverhandlungen“ zwischen China und den Mächten - Verlauf, Abschluss und Unmittelbare Folgen

5. Die Dolmetscher der Gesandtschaften werden eingeladen, eine Kommission aus vier Dolmetschern zu bilden, welche die Korrespondenz zwischen den Delegierten und den Bevollmächtigten Chinas übersetzen wird. Jeder Delegierte wird das Recht haben, vom Dolmetscher seiner Gesandtschaft begleitet zu werden.1721 Diese Vorschläge wurden einstimmig angenommen und auf Antrag Czikanns wurde der Kommission der Dank ausgesprochen.1722 Das künftige Procedere teilte der Doyen den Bevollmächtigten Chinas mit und wies dezidiert darauf hin, dass die erste Zusammenkunft nur zur Übergabe der Kollektivnote dienen sollte.1723 Die Vorgänge in Beijing: Der Weg zu den „Zwölf Forderungen“ vom 24. Dezember 1900 Die erste Phase der Gesandten-Sitzungen (bis zum 24.12.1900) - Die Aus­arbeitung der Forderungen Die Vertreter des Deutschen Reiches, Großbritanniens, Belgiens, Spaniens, der Vereinigten Staaten, Italiens, Japans, Russlands und Frankreichs1724 in Beijing kamen am 26. Oktober 1900 in der spanischen Gesandtschaft zur ersten von insgesamt fünfundsechzig Sitzungen, in welchen über die von China zu erfüllenden Bedingungen verhandelt wurde, zusammen. Am Beginn der Verhandlungen standen zwei Texte - der schon besprochene Vorschlag Delcassé's und ein Vorschlag der Bevollmächtigten Chinas, der den Gesandten am 20. Oktober 1900 zugegangen war.1725 In dem begleitenden Brief wurde klar festgehalten: [...] Maintenant que la Cour vient d’apprendre la culpabilité d’un certain nombre de Princes et Ministres de son entourage qui, par la protection et les encouragements qu’ils donnèrent aux bandits Boxeurs [...] sembl able nous a désignés, Prince et Ministre comme Plénipotentiaires munis de pleins pouvoirs de façon à permettre d’urgence l’ouvrenture des négociations de paix en vue de mettre un terme à cette affaire.1726 Die Bevollmächtigten sollten ehebaldigst Verhandlungen mit den Vertretern der Mächte aufnehmen, wofür sie den Entwurf einer Sonderkonvention vorlegten, in der zuerst die Verantwortung Chinas für die Ereignisse festgehalten wird. Die „Friedensverhandlungen“ zwischen China und den Mächten ... 1721 ACNP, 15e séance, 22.12.1900 [50 f.]. 1722 ACNP, 15e séance, 22.12.1900, [51], 1723 Ebenda, [51]. 1724 Zu den Teilnehmern steht im Protokoll: „Tous les Ministres sont présents, à l’exception de M. Pichon, malade, qui s’est fait représenter par M. d’Anthouard.“ [Hervorhebung im Original, ACNP, 1er Séance, 26.10.1900]. Tatsächlich nahm jedoch Czikann an dieser Sitzung (wie auch an der zweiten, am 28.10. abgehaltenen) nicht teil. Siehe auch: HHStA, P.A. XXIX/14, Czikann an Gotuchowski, No. 3 (Vertraulich), Peking, 29.10.1900. 1725 ACNP, Annex No. 8 [4]: „Dépêche du Prince K’ing, Ministre Plénipotentiaire d’Espagne en Chine. 20 Octobre 1900“. 459

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