Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Die „Friedensverhandlungen“ zwischen China und den Mächten - Verlauf, Abschluss und Unmittelbare Folgen

Georg Lehner - Monika Lehner Mr. Hay hat von der endlich erfolgten Einigung der Gesandten in Peking vorigen Montag £26.11.1900] durch Mitteilung des hiesigen japanischen Gesandten Kenntnis erhalten. 84 Hengelmüller hatte im Herbst 1900 den Eindruck gewonnen hatte, die US- Regierung wolle nichts sehnlicher, als aus China coûte que coûte herauszukommen, und als wäre sie selbst bereit, in selbständiger Ausführung dieses Wunsches das dortige Feld den andern Mächten zu überlassen.1684 1685 Nach den Wahlen war von diesen „Velleitäten“ nichts mehr zu bemerken. Minister Hay äußerte sich Hengelmüller gegenüber sehr unzufrieden mit dem Gang der Verhandlungen und mit dem „Geiste der Strenge, in welchem dieselben geführt worden sind.“ Trotzdem hätte die Bundesregierung nicht vor, „aus dem Concert der Mächte auszuspringen, und die gegentheiligen Zeitungsnachrichten [seien] der reine Unsinn [,..].“'686 In Berlin suchte man zwar hektisch nach Anzeichen für eine Annäherung der USA oder Frankreichs an Russland und Japan - schon im Hinblick auf die Situation nach dem Abzug der Mächte aus China1687 - doch konnten diese nicht gefunden werden. Indes mehrten sich Befürchtungen, dass die Zustimmung Russlands und Japans verweigert würde, sollte die US-Regierung „durch Presse zum Schwanken gebracht“1688 werden. Die französische Regierung wollte möglichst wenig Änderungen an den Vorschlägen der Gesandten, um weitere Verzögerungen zu vermeiden, und wartete deshalb mit der endgültigen Stellungnahme. Die Regierung in Paris hielt die Einwände gegen die Todesstrafe für kaiserliche Prinzen für gerechtfertigt und war bereit, einen formellen Vorschlag zur Milderung der Strafen zu akzeptieren, wenn „Natur und Kontrolle der Strafen den ersten Gegenstand der Verhandlungen mit den chinesischen Bevollmächtigten bildeten].“1689 Die Situation erscheint im Urteil der Diplomaten Ende November ziemlich verfahren. Um einen Schritt weiter zu kommen, wurde Graf Bülow aktiv und ließ in St. Petersburg verlauten, Deutschland wäre bereit, die Änderungsvorschläge Japans zu akzeptieren, „im Falle Rußland diesen Vorschlag zu seinem eigenen machen und 1684 HHStA, P.A. XXIX/22, Hengelmüller an MdÄ, Telegramm No. 22 (305, Chiffre), Washington, 30.11.1900. 1685 Ebenda, Hengelmüller an Gotuchowski, Bericht No. 32 B, Washington, 4.12.1900. 1686 Ebenda, Hengelmüller an Gotuchowski, Bericht No. 32 B, Washington, 4,12.1900. Dazu auch: Ebenda, Hengelmüller an MdÄ, Telegramm No. 23 (9 609, Chiffre), Washington, 6.12.1900. - Das Telegramm meldet die Ermächtigung Congers zur Annahme der von Russland geforderten Modifikationen. 1687 Mumm hatte aus Beijing telegraphiert: „[...] Wohl aber halten Rußland und Japan vorläufig enge Fühlung, bis sie nach unserem Abzug Korea wieder entzweit.“ (Ebenda, Telegramm des kaiserlichen Gesandten in Peking [Abschrift], Beilage ad: Eulenburg an Szécsen, Wien, 1.12.1900). '688 pjpjsiA p /\ XXIX/22, Telegramm des kaiserlichen Gesandten in Peking [Abschrift], Beilage ad: Eulenburg an Szécsen, Wien, 1.12.1900. 1689 Ebenda, Dumba an MdÄ, Telegramm No. 51 (402, Chiffre), Paris, 26.11.1900. 452

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