Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Die „Friedensverhandlungen“ zwischen China und den Mächten - Verlauf, Abschluss und Unmittelbare Folgen

diesbezüglich selbst die Initiative ergreifen würde.“1650 Diese Anregung1690 1691 wurde in St. Petersburg günstig aufgenommen.1692 Mit der Übersendung des Entwurfes der Kollektivnote an die Regierungen Ende November hatten die Diplomaten in Beijing ihr erstes Ziel erreicht gesehen. Doch die Änderungswünsche der russischen Regierung bedeuteten einen neuen Rückschlag. Giers war von Außenminister Graf Lambsdorff angewiesen, nur zu unterschreiben, wenn einige von seiner Regierung vorgeschlagene Modifikationen einstimmig von den anderen Mächten akzeptiert würden.1693 Konkret wollte die russische Regierung zunächst die Worte „peine capitale“ durch „peine la plus sévère“ ersetzen, in der Frage der Entschädigungen genauere Garantien und in der Frage der Änderung der Handelsverträge sollten anstelle von „sur la base que les Puissances trouveront opportun de fixer“ die Worte „afin de faciliter les relations commerciales“ stehen.1694 Das Quasi-Ultimatum Russlands, den Friedensbedingungen nur beizutreten, wenn die gewünschten Modifikationen einstimmig angenommen würden, war in Berlin „nur durch den deutschen Gesandten in Peking [Beijing] zur Kenntnis der hiesigen Regierung gelangt“1695, worüber leichte Verstimmung herrschte.1696 Staatssekretär Richthofen versicherte dem k. u. k. Botschafter, die deutsche Regierung wolle „proter bonum pacis das größtmögliche Entgegenkommen betätigen“ und habe daher dem Gesandten in Beijing freie Hand gegeben, die Modifikationen zu akzeptieren - „falls alle übrigen Mächte dasselbe thun“.1697 Ähnlich wie in Berlin hatte auch die Regierung in London nur indirekt von den von Russland gewünschten Änderungen Kenntnis erhalten. Botschafter Deym meldete: Die „Friedensverhandlungen“ zwischen China und den Mächten ... 1690 Ebenda, Kinskÿ an MdÄ, Telegramm No. 137 (3 356, Chiffre), St. Petersburg, 27.11.1900. 1691 Kinskÿ deutete an, man wäre in St. Petersburg überzeugt, die deutsche Regierung habe in Paris die gleiche Erklärung abgegeben. Ebenda, Kinskÿ an MdÄ, Telegramm No. 137 (3 356, Chiffre), St. Petersburg, 27.11.1900. 1692 Ebenda, Kinskÿ an MdÄ, Telegramm No. 137 (3 356, Chiffre), St. Petersburg, 27.11.1900. 1693 Ebenda, Lambsdorff an Kapnist, Télégramme secret, Livadia, 14/28.11.1900. Ebenda, Lützow an Gotuchowski, Telegramm [ohne Nummer], Wien, 29.11.1900. Ebenda, Gotuchowski an MdÄ, Telegramm (7333, Chiffre), Budapest, 30.11.1900. 1694 HHStA, P.A. XX1X/22, MdÄ an die Vertretungen in Berlin (No. 111), Paris (No. 67), London (No. 57), Rom (No. 63), Petersburg (No. 63), Wien, 1.12.1900. 1695 Ebenda, Szôgyény an MdÄ, Telegramm No. 231 (2 407, Chiffre, Vertraulich), Berlin, 2.12.1900. 1696 Ebenda, Szôgyény an MdÄ, Telegramm No. 231 (2 407, Chiffre, Vertraulich), Berlin, 2.12.1900. Dazu auch: Ebenda, Szôgyény an Gotuchowski, Bericht No. 58 B (Vertraulich), Berlin, 4.12.1900: „Freiherr von Richhofen wiederholte mir auch heute, es sei russischerseits hier nicht mitgetheilt worden, dass das russische Cabient nur in dem Falle der von den Gesandten in Peking [...] vereinbarten Note beitreten werde, wenn alle andern Mächte die [...] Modifikationen [...] anzunehmen sich bereit erklären. Diese von der russischen Regierung aufgestellte peremptorische Bedingung sei nur durch die telegrafische Berichterstattung des deutschen Gesandten in Peking zur Kenntnis des hiesigen Cabinets gelangt.“ [Hervorhebung im Original], 1697 Ebenda, Szôgyény an Gotuchowski, Bericht No. 58 B (Vertraulich), Berlin, 4.12.1900. 453

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