Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Österreich-Ungarns Maritim-Militärische Präsenz in China: Vom Entsatz der Gesandtschaften bis Ende Januar 1901

Georg Lehner - Monika Lehner Waffen bis zum 14. November abzugeben hatte. Für Zuwiderhandelnde wurden strenge Strafen angekündigt. Kaufleute aus Nankou und den benachbarten Dörfern erhielten Schutzbriefe des Etappenkommandos, um den Lebensmittelbedarf der Besatzung zu decken. Junowicz übernahm von den Deutschen auch die in Changping eingebrachten Strafgelder und stellte bis zum 30. November einen eigenen Posten zu deren Bewachung ab. Am 17. November erschien ein chinesischer Christ und meldete, dass Anhänger der Yihetuan aus der Region um Changping und Nankou das von Christen bewohnte Dorf Yanzikou 13 Kilometer nordwestlich von Nankou „vor 5 Monaten vollständig zerstörten und dessen Bewohner tödteten.“1549 Der Verlauf der Expedition nördlich der Großen Mauer Von Nankou führte eine sichtbar vernachlässigte Straße ins Gebirge1550, das - wie Sajiz es formulierte - einem entschlossenen Gegner gute Gelegenheit geboten hätte, den Vormarsch der Kolonne zu vereiteln. Vor allem die Talsperren von Shangguan und Qinglongqiao1551 hätten von den Qing-Truppen genützt werden können, um das Vordringen der fremden Militärmacht über die Große Mauer hinaus zu verhindern. Am Nachmittag des 14. November rückte das Expeditionskorps in Chadao1552 ein, wo die Einquartierung der Truppen wegen Raummangels auf Schwierigkeiten stieß. Auch hier waren am vorhergehenden Tag Qing-Truppen durchgezogen. Graf Yorck 1549 KA, MS/OK 1901 -X-14/1, Nr. 692, LSL Roman Junowicz an das k. u. k. Kompagnie-Kommando, Peking, 30.12.1900. 1550 Zu diesem Gebirge vgl. auch W. Limpricht, Die Durchwanderung der Wutaishanketten. ln: MSOS 1 16 (1913), S. 141-176, sowie die Photographien „Der Eingang in den Nankoupaß“, „Die Große Mauer bei Pataling im Nankoupaß“ und „Huailai“ (ebd., S. 142 f. und 145). 1551 Vgl. dazu Bretschneider (1876), S. 9: „Der Weg durch das Défilé war ursprünglich mit Quadersteinen gepflastert. Gegenwärtig ist er wegen der vielen Lücken sehr beschwerlich und kaum zu passieren.“ Möllendorff (1881), S. 141 berichtete, dass er diese Forts am sog. Nankou-Pass auf seiner Bereisung der Provinz Zhili im Frühsommer 1879 besucht hatte: „Dieser wichtige Pass, der Schlüssel zur Hauptstrasse von der Mongolei nach Peking ist ausser Tsha-dau [Chadao] und der Grossen Mauer noch durch vier befestigte Plätze verteidigt: Tshing-lung-tshiau [Qinglongqiao] [...], Dshü-yung-shang-guan [Juyongshangguan], gewöhnlich Shang-guan [Shangguan], Dshü- yung-hsia-guan [Juyongxiaguan] und Nan-kou [Nankou] [...]. Alle diese Befestigungen sind ziemlich verfallen.“ - Zu Qinglongqiao vgl. auch die Angaben in DMDC, S. 574. - Zum Eingang in den Nankou-Pass sowie zur Großen Mauer bei Badaling vgl. die Abb. 1 und 2 bei W.Limpricht, Die Durchwanderung der Wutaischanketten. In: MSOS I 16 (1913), S. 142 f. 1552 Bei Winterhaider (1902), S. 515 ff. stets „Tscha-tou“; zur Bedeutung des Ortsnamens vgl. Bretschneider (1876), S. 9: „Ch’a tao [...] Dieser Name bedeutet Gabelweg, denn hier theilt sich der Weg, der eine führt nach Norden zur Stadt Yen king chou [Yanqing], der andere hält eine westliche, später nordwestliche Richtung ein.“ Zur Bedeutung des Ortes vgl. neben Lockhart (1866), S. 153: „The village of Cha-tau is a place full of inns, where the numerous travellers stop on their way into China.“ auch S.W. B u s h e 11, Notes of a Journey outside the Great Wall of China. In: Proceedings of the Royal Geographical Society 18 (1873/74), S. 150: „[...] the small fortified town, just beyond the inner Great Wall, to Kalgan, a distance of 260 li.“ Auch nach Möllendorff (1881), S. 141 war Chadao ein „befestigter Flecken.“ 422

Next

/
Oldalképek
Tartalom