Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Österreich-Ungarns Maritim-Militärische Präsenz in China: Vom Entsatz der Gesandtschaften bis Ende Januar 1901

[...] kurzum das zwanzigtägige Regime unserer Flagge hatte aus der ursprünglich im Gerüche der Fremdenfeindlichkeit stehenden Stadt einen verlässlichen Stützpunkt in der Nähe Pekings geschaffen.1543 Schon nach der ersten Woche seiner Stationierung in Shahe hatte Kubelka das Vorgehen der Mächte in China kritisch hinterfragt und für das Verhalten der Chinesen Worte der Bewunderung gefunden: Ueber Land, Leute und Sitten in China ist man in Europa oft schlecht unterrichtet. Ich kann nur das Beste darüber sagen. Wenn man diese Leute sterben gesehen hat, ohne daß sie mit einer Wimper zucken oder auch nur mit einem Wort um Gnade bitten - höchstens rufen sie sterbend ihre Mutter an - dann muß man von ihnen auch den Hut abnehmen. Europa wird sich eines Tages über die Art seines Vorgehens noch schämen müssen.1544 Am 13. November setzte das nach Zhangjiakou bestimmte Expeditionskorps seinen Weg über Changping und Longhutai1545 nach Nankou1546 fort. Zwei Tage vor der Ankunft der aus Deutschen, Österreicher-Ungarn und Italienern bestehenden Expedition war Changping von aus Shanhaiguan und Lutai kommenden regulären Qing-Truppen passiert worden. Als sich die Nachricht vom Herannahen der Alliierten verbreitete, brachen diese Truppen überstürzt auf, wobei sie zwei Gebirgsgeschütze und eine Schnellfeuerkanone zurückließen.1547 Um über Longhutai Nankou zu erreichen, musste querfeldein marschiert werden, „da eine Strasse so gut wie gar nicht vorhanden war.“ In Nankou wurden österreichisch-ungarische und italienische Matrosen mit der Einrichtung einer Etappenstation beauftragt.1548 Bei der Errichtung der Etappe - bestehend aus 30 Matrosen vom Stande S.M.S. ,Aspern“, 25 Matrosen des italienischen Schiffes „Vettor Pisani“ unter Guardia marina Ferraro sowie 3 deutschen Meldereitern — erhielt LSF Junowicz von Yorck den Befehl, Wohnräume für Feldmarschall Waldersee und dessen Stab einzurichten, da der Armee-Oberkommandant eine Besichtigung der Ming-Gräber und der Großen Mauer beabsichtigte. Für die aus Zhangjiakou zurückkehrenden Truppen sollte Junowicz ausreichende Lebensmittelvorräte anlegen. Falls in Nankou selbst nicht vorhanden, sollten diese Lebensmittel in der Umgebung requiriert werden. Mit Hilfe eines chinesischen Dolmetschs ordnete Junowicz an, dass die in Nankou verbliebene Bevölkerung die Österreich-Ungarns maritim-militärische Präsenz in China... 1543 Winterhaider (1902), S. 522. 1544 Vgl. dazu den bereits mehrmals zitierten Brief Kubelkas vom 20.11.1900 in NFP, Nr. 25 958 vom 15.12.1936, Morgenausgabe, S. 11. 1545 Zur Lage von Longhutai vgl. neben Möllendorff (1881), Tafel VII auch die Angaben im Changping zhouzhi. 1546 Zur Lage von Nankou vgl. naben DMDC, S. 582 auch die kurze Beschreibung bei W. Lockhart, Notes on Peking and its Neighbourhood. In: Journal of the Royal Geographical Society 36 (1866), S. 128-156, hier S. 152; „Ten miles from Chang-ping [...]. The village consists chiefly of inns and stables for the accomodation of the numerous travellers constantly passing to and fro.“ 1547 KA, MS/OK 1901-X-14/1, Nr. 692, LSL Heinrich Sajiz an LDP, Peking, 20.12.1900. - Zur überstürzten Flucht der Qing-Truppen vgl. auch die Bemerkungen bei Löffler (1902), S. 25. 1548 KA, MS/OK 1901 -X-14/1, Nr. 692, LSL Heinrich Sajiz an LDP, Peking, 20.12.1900. - Vgl. auch Winterhaider (1902), S. 515. 421

Next

/
Oldalképek
Tartalom