Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)
Österreich-Ungarns Maritim-Militärische Präsenz in China: Vom Entsatz der Gesandtschaften bis Ende Januar 1901
Georg Lehner - Monika Lehner ganzen Stadt, die „unaufgefordert reichlich mit roth-weiss-rothen Flaggen“ geschmückt worden war, begann sich auf den Straßen wieder buntes Treiben zu zeigen und auch das wirtschaftliche Leben hatte wieder begonnen.1539 Das in Shahe stationierte Detachement hatte somit nach wenigen Tagen seine vordringlichste Aufgabe erfüllt: „Uns geht es hier sehr gut. Wir werden auf das Beste bedient.“'540 Durch die Einrichtung des Etappen-Kommandos im Norden der Stadt war der nach Süden fließende Beishahe gut zu überblicken. Auf Befehl des Expeditionskommandos sollte Kubelka die Brücke über diesen Fluss „durch Inanspruchnahme der Bevölkerung“ ausbessem lassen. Trotz der Beruhigung der Lage in der unmittelbaren Umgebung von Shahe wurden Kubelka immer wieder Nachrichten über chinesische Truppen aus weiter entfernt liegenden Ortschaften mitgeteilt. Am 25. November waren etwa 300 Mann Kavallerie aus dem Gebirge kommend in Guanshi eingedrungen, um Pferdefutter zu requirieren. Die Bewohner von Guanshi präsentierten die vom k. u. k. Etappenkommando in Shahe erhaltenen Schutzflaggen. Daraufhin entfernten sich die Qing-Truppen in südwestlicher Richtung.1541 Zur Überraschung des k. u. k. Etappenkommandos setzte auch die Bevölkerung von Shahe die rot-weiß-roten Flaggen auf Halbmast, als eine deutsche Einheit in den Mittagsstunden des 28. November 1900 mit dem Leichnam des Grafen Yorck in der Stadt eintraf. Einige Bewohner der Stadt drückten Kubelka persönlich ihr Beileid aus. Die freundliche Aufnahme des österreichisch-ungarischen Detachements durch die Bevölkerung von Shahe zeigte sich auch, als die baldige Auflösung der Etappe bekannt wurde. Wie Kubelka berichtete, erschienen Vertreter aus mehreren Orten der Umgebung, um zu bitten, dass die Etappe über den Winter in Shahe stationiert bleiben möge: Für Verpflegung und gute Unterkunft werden sie bestens sorgen. Sie meinten nach schweren Monaten fühlen sie sich wieder etwas sicher, während sie früher von ihren eigenen Soldaten ausgeraubt und von den europäischen Truppen schonungslos verfolgt wurden.1542 Auch Winterhaider sah sich rückblickend zu einer positiven Einschätzung der Entwicklung in Shahe veranlasst: 1539 KA, MDP Res. 1900, Mappe „Expedition nach Kalgan“, K. u. k. Etappenkommando in Sha-ho- tscheng, No. 2, Sha-ho-tscheng, 17.11.1900. 1540 Ebenda, Kubelka an Bless von Sambuchi, ohne Nr., Sha-ho-tscheng, 17.11.1900. 1541 KA, MS/OK 1901 -X-14/1, Nr. 692, K. u. k. LSF Wenzel Kubelka an das k. u. k. Kompagnie- Kommando, Peking, 25.12.1900. - Den Vorstoß chinesischer Kavallerie nach Guanshi erwähnt auch Winterhaider (1902), S. 521. 1542 KA, MS/OK 1901 -X-14/1, Nr. 692, K. u. k. LSF Wenzel Kubelka an das k. u. k. Kompagnie- Kommando, Peking, 25.12.1900. - Vgl. dazu auch WAP, Nr. 44 vom 22.2.1901, S. 1: „Die chinesische Bevölkerung zeigt sich unseren Marine-Soldaten gegenüber besonders freundlich gesinnt, da sie sich von ihrer tadellosen Manneszucht jederzeit überzeugt hat. Dafür spricht auch die auffallende Tatsache, daß Chinesen, nach deren Gebiet sich fremdländische Expeditionen bewegen, gern die österreichisch-ungarische Flagge hissen, um dadurch anzuzeigen, daß sie sich unter deren Schutz stellen und dabei wohlgeborgen zu sein hoffen.“ - Vgl. auch WAP, Nr. 53 vom 5.3.1901, S. ! 420