Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Österreich-Ungarns Maritim-Militärische Präsenz in China: Vom Entsatz der Gesandtschaften bis Ende Januar 1901

„eventuell Widerstand leistende Leute mit der blanken Waffe niederzumachen“ und Flüchtende zu verhaften. Mit der ihm verbliebenen Truppe umging Saijz Zaolin im Osten und marschierte vom Norden kommend in das Dorf ein. Die Bevölkerung von Zaolin leistete keinen Widerstand. Sajiz ließ die von den Kaufleuten aus Xiaojing als schuldig bezeichneten Dorfbewohner festnehmen. Um 17.45 Uhr traf auch die Abteilung unter LSF Junowicz in Zaolin ein. Bei einer gründlichen Durchsuchung des Ortes forderte das k. u. k. Detachement mehrere Waffen zu Tage. 34 Personen wurden in Gewahrsam genommen. Noch am Abend wurden in den Nachbardörfem alle jene verständigt, die über die Zwischenfalle Auskünfte geben konnten. Diese Zeugen sollten sich am folgenden Morgen in Zaolin einflnden. Nachdem er mit dem Detachement die Nacht in der westlichen Hälfte des Ortes verbracht hatte, begann Sajiz am Morgen des 6. November 1900 mit der Einvernahme der zahlreich erschienenen Zeugen. Die drei Anführer der Unruhestifter - unter ihnen befand sich auch der Dorfvorsteher von Zaolin - waren schnell ausgeforscht und wurden standrechtlich erschossen: „Gan-wu, Li-hai und Li-soörr liess ich erschiessen.“ Drei der Verhafteten erwiesen sich als unschuldig. Die übrigen 28 wurden von den Zeugen mehr oder weniger belastet „und erhielten deshalb jeder 50 Stockstreiche.“ Bereits um 8.15 Uhr verließ das Detachement Zaolin und traf um 11.45 Uhr wieder im Chongzhai ein.1515 Wie Winterhaider resümierend feststellte, brachte dieses prompte und entschlossene Vorgehen „dem k. und k. Detachement das volle Zutrauen der Einwohnerschaft der durchzogenen Dörfer.“1516 Die Expedition nach Zhangjiakou (Kalgan) - 12. XI.-4. XII. 1900 Der Beginn der Expedition und die Errichtung der Etappen in Shake und Nankou Dem Armee-Oberkommando waren wiederholt Meldungen über weitere chinesische Angriffe auf christliche Missionare nördlich der Großen Mauer zugegangen. Um dem nach Westen geflohenen Qing-Hof auch noch im Spätherbst die Macht der kooperierenden Trappen zu demonstrieren, entschloss man sich zu einer groß angelegten militärischen Operation. Zudem wollte man durch den Vorstoß in das chinesisch-mongolische Grenzgebiet die über Zhangjiakou1517 Österreich-Ungams maritim-militärische Präsenz in China... KA, MS/OK 1901-XI-2/1, Beilage zu Nr. 124, LSL 2. Klasse Heinrich Sajiz an LDP, Peking, 7.11.1900 (Abschrift der Abschrift). - Durch die für den dienstlichen Verkehr der Eskader notwendigen wiederholten Abschriften der Berichte wurden die chinesischen Orts- und Personennamen des Öfteren in korrumpierter Form wiedergegeben. Diese Lesefehler treten auch in der Lageskizze „Strafexpedition nach Tsau-lin-tsun.“ bei W interhalder (1902), S. 512 deutlich zutage. So steht für Siau-tsching „Sian-tsching“ - In den ungedruckten Berichten werden zudem zahlreiche „Varianten“ für Zaolin geboten: Tsan-li-tshung, Pao-lin-tzun, etc. Winterhaider (1902), S. 513. Zur strategischen Bedeutung von Zhangjiakou (Kalgan) vgl. Bushell (1873/74), S. 151: „Chang- chia-kou, also called Kalgan, from a Mongol word „Kalga“, meaning gate or barrier, is the frontier 415

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