Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Österreich-Ungarns Maritim-Militärische Präsenz in China: Vom Entsatz der Gesandtschaften bis Ende Januar 1901

Georg Lehner - Monika Lehner führenden Nachschublinien des Qing-Hofes zumindest zeitweilig spürbar beeinträchtigen. Zu diesen politischen Überlegungen kam der militärische Aspekt. Das Jenseits des ganzen Gebirges liegende Dunkel“ forderte geradzu zu einem Vorstoß auf, obwohl über die Beschaffenheit des Gebietes „eine ziemliche Ungewißheit“ herrschte.* 1518 Am 8. November 1900 erhielt LSK Victor Ritter Bless von Sambuchi die Auffordemng des Armee-Oberkommandos, an einer für drei Wochen anberaumten Expedition gegen Zhangjiakou teilzunehmen. Die ursprünglichen Planungen hatten vorgesehen, dass das k. u. k. Landungs-Detachement lediglich zwei Etappen­stationen besetzen sollte. LSK Bless von Sambuchi setzte durch, dass eine aus 22 Mann des k. u. k. Landungs-Detachements Beijing bestehende Abteilung die gesamte Expedition mitmachen konnte und die vorgesehenen Etappenstationen mit Abteilungen von 40 beziehungsweise 30 Mann zu besetzen waren. Mit einem Train aus 10 Wagen und 11 Tragtieren vereinigte sich LSL Sajiz am Morgen des 12. November mit den die Hauptmacht der Expedition nach Zhangjiakou bildenden Deutschen und Italienern. Auch der k. u. k. Hauptmann des Generalstabskorps, Carl Wöjcik, schloss sich der Expedition nach Zhangjiakou an.1519 Für das k. u. k. Landungsdetachement bot diese Expedition Gelegenheit, die für den Winter „unbedingt nöthigen Pelze“, Verpflegung, Schlachtvieh, Maulthiere und sonstige Transportmittel zu requirieren. Die anderen Kontingente hatten dies schon während der Expedition nach Baoding getan. 1S2° Die insgesamt aus 90 Reitern, 1 310 Mann Fußtruppen mit zusammen 6 Geschützen bestehende internationale Truppe hatte sich am Morgen des 12. November beim Deshengmen gesammelt. Über Qinghe erreichte das Expeditionskorps nach etwa siebenstündigem Marsch auf einer stark ausgetretenen Naturstraße Shahe1521. In Shahe wurde auch das Nachtlager aufgeschlagen.1522 town, commanding one of the most important passes between China and Mongolia, and the main road of the overland route between China and Russia.“ Vgl. auch DMDC, S. 801. - Zum Vorstoß des deutsch-österreichisch-italienischen Kontingents vgl. Liao, Li, Zhang (1983), S. 370. 1518 Löffler (1902), S. 23 f. (Zitate S. 24 und S. 23). - Vgl. dazu auch MWB 86,1 (1901), Sp. 320 f WAP, Nr. 44 vom 22.2.1901, S. 1, „Unsere Matrosen als Landsoldaten.“ ln: WAP, Nr. 53 vom 5.3.1901, S. 1 und - mit einer Kartenskizze auf S. 1 - „Unsere Matrosen in China.“ in: ebenda, Nr. 57 vom 9.3.1901, S. 1-2. 1519 KA, MS/OK 1901 -XI-2/1, Nr. 124, fol. 16v, ECiO an RKM/MS, Res. No. 298/M, Kobe, 1.12.1900. 1520 KA, MS/OK 1901-X-14/2, Nr. 122, Einsichtsstück des RKM Präs. Nr. 7 514 vom 24.12.1900, Wöjcik an RKM, Peking, 11.11.1900. 1521 Zur Lage von Shahe vgl. neben der Karte von Möllendorff auch die Angaben in DMDC, S. 403. 1522 Vgl. dazu KA, MS/OK 1901 -X-14/1, Nr. 692, LSL Heinrich Sajiz an das Detachement-Commando Peking, Peking, 20.12.1900. Beilage zu Montecuccoli an RKM/MS vom 13.2.1901. Vgl. dazu auch Jung (2000), S. 114-120.- Zur genauen Zusammensetzung der Expedition vgl. Winterhaider (1902), S. 513, Wöjcik (1902), S. 93 sowieLöffler (1902), S. 25. 416

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