Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Österreich-Ungarns Maritim-Militärische Präsenz in China: Vom Entsatz der Gesandtschaften bis Ende Januar 1901

Georg Lehner - Monika Lehner ohnehin numerisch schwachen Streitkräfte bedingt hätte.“ Fast entschuldigend fugte Montecuccoli in seinem Missionsbericht bei, dass an dieser Expedition „ohnehin nicht alle Nationen betheiligt“ gewesen waren.1512 1513 Zaolincun - 5./6. XI. 1900 Am 3. November 1900 erschienen beim k. u. k. Landungs-Detachements- Kommando zwei chinesische Kaufleute aus dem südwestlich von Beijing gelegenen Dorf Xiaojing, und brachten nächtliche Übergriffe einer Gruppe von 30-40 Mann (zum Teil Landbewohner, zum Teil ,3oxer“) zur Anzeige. Diese Gruppe hatte ihr Quartier im Dorf Zaolin (Zaolincun) und bedrohte neben dem Ort Xiaojing auch die am Lianhuachi (See) gelegene gleichnamige Siedlung. Die mit Mannlicher- Gewehren ausgerüsteten Angreifer hatten in diesen Orten bereits Zivilisten erschossen. Die beiden Chinesen, die diese Aussagen beim k. u. k. Landungs- Detachements-Kommando zu Protokoll gaben, erklärten sich bereit, bis zur Entsendung von Soldaten in Beijing zu bleiben, und diese nach Zaolin zu begleiten.1515 Die am 4. November vom Armee-Oberkommando verfügte Operation gegen Zaolin war die erste selbständige Aktion des k. u. k. Marine-Detachements.1514 Vier Offiziere, 2 Seekadetten, 1 Korvettenarzt und 120 Mann (unter Kommando von LSL Heinrich Sajiz) am 5. November zu Mittag das Chongzhai. Um ein Uhr vereinigten sie sich am Qianmen mit 20 deutschen Reitern unter Kommando von Oberleutnant Kersten. Beim Qianmen schlossen sich auch die beiden chinesischen Kaufleute an, welche die Übelstände in der Gegend um Zaolin angezeigt hatten. Für den Marsch nach dem etwa sieben Kilometer von Beijing entfernten Dorf Xiaojing benötigte man zwei Stunden. In Xiaojing, wo man um 15.15 Uhr eintraf, wurden weitere ortskundige Führer aufgenommen. Um 15.45 Uhr wurde der Marsch in nordwestlicher Richtung fortgesetzt. Auch in einem weiteren Ort südöstlich von Zaolin, hatten an den dem Armee-Oberkommando gemeldeten Raubüberfällen Beteiligte Unterschlupf gefunden. Ein Zug unter LSF Roman Junowicz und vier deutsche Reiter wurden von Xiaojing aus dorthin geschickt, um die Unruhestifter zu verhaften. Etwa einen Kilometer von Zaolin entfernt postierte Sajiz einen weiteren Zug (mit vier deutschen Reitern) unter Kommando von LSF Alfred Burkert. Burkert sollte nach 20 Minuten von Südwesten aus mit der Besetzung von Zaolin beginnen, hatte 1512 KA, MS/OK 1900-XI-2/7, Nr. 3 036, ECiO an RKM/MS, Res. No. 308/M, Taku-Rhede, 1.11.1900. - Zu den Zielen der Expedition nach Baoding vgl. Morse, Relations III, S. 316. 1513 KA, MDP Res. No. 34 ex 1900, Protokoll über die Aussagen zweier chinesischer Kaufleute, Peking, 3.11.1900. 1514 In seinem Gespräch mit Czikann kündigte Waldersee am 29.10. seine Absicht an, die Strecke zwischen Beijing und Tanggu „gründlich zu säubern und so einen grösseren internationalen Organisationsrayon zu bilden.“ An diesen Aktionen sollte auch ein Teil des k. u. k. Detachements teilnehmen, sobald Wöjcik aus Baoding wieder nach Beijing zurückgekehrt sein würde. Vgl. dazu HHStA, P.A. XXIX/14, Czikann an Gotuchowski, Bericht No. 3 Vertraulich, Peking, 29.10.1900. 414

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