Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)
Österreich-Ungarns Maritim-Militärische Präsenz in China: Vom Entsatz der Gesandtschaften bis Ende Januar 1901
Österreich-Ungams maritim-militärische Präsenz in China... liefen im Wesentlichen nach dem gleichen Muster ab: Wenn die einheimische Bevölkerung bei den Detachements in Beijing Übergriffe marodierender Soldaten und versprengter Yihetuan zur Anzeige brachte, wurden daraufhin von den Befehlshabern der kooperierenden Mächte mehrere Abteilungen zusammengestellt und in die von den um ihre persönliche Sicherheit besorgten Chinesen genannten Orte entsandt. An dem in drei Kolonnen gegliederten Vormarsch gegen Badachu nahmen neben deutschen, japanischen, englischen und amerikanischen Einheiten auch 170 Italiener und 100 Mann des k. u. k. Landungsdetachements unter Kommando von LSL Viktor Wickerhauser teil. Die Haupt-Kolonne traf am 17. September 1900 um 11.30 Uhr vormittags an ihrem Bestimmungsort ein und fand Badachu bereits von den amerikanischen Soldaten der Voraus-Kolonne besetzt. Tatsächlich fand die Vorhut im Raum Badachu eine „schwache chinesische Cavallerie-Patrouille“ vor, die jedoch mit wenigen Schüssen in die Flucht geschlagen werden konnte. Etwa dreißig Bewohner von Badachu, die von den kooperierenden Truppen für „Boxer“ gehalten wurden, fielen auf der Flucht.1509 Im Rahmen ihrer Expeditionen stießen die Truppen hin und wieder auf Gegenstände, die während der Belagerung von chinesischer Seite aus den Gesandtschaften geplündert worden waren. Deutsche Truppen fanden am 11. September in Liangxiang einen aus den Trümmern der k. u. k. Gesandtschaft entwendeten Koffer der Frau von Rosthom vor.1510 * Erst nachträglich erfuhr Bless von Sambuchi von einem Streifzug, den deutschen Truppen im Süden von Beijing durchgeführt hatten. General von Hopfner gab nach dem Abschluss der Operation seinem Bedauern Ausdruck, dass er „wegen raschen Abmarsches das k. u. k. Detachements-Commando hievon nicht rechtzeitig verständigen und zur Theilnahme einladen konnte.“ Bless von Sambuchi berichtete, dass am Nachmittag des 24. September eine japanische Patrouille an der südwestlichen Ecke des Nanhaizi angegriffen wurde. Über Huangcun und Nanhongmen waren die Deutschen bis an die Südgrenze des Nanhaizi vorgedrungen, wo sie in einem Gefecht mit „Boxern“ auch Artillerie einsetzten.15" Trotz der grundsätzlichen Bereitschaft, sich aktiv an den Operationen der Verbündeten zu beteiligen, konnten die gelandeten k. u. k. Marinedetachements wegen ihrer geringen numerischen Stärke an der im Oktober gegen Baoding, die Hauptstadt der Provinz Zhili, gerichteten Expedition nicht teilnehmen, „da diese eine längere Detachierung neuer Etapen und vornehmlich Zersplitterung der Winterhaider (1902), S. 455 f. KA, MS/OK 1900-XI-2/7, Nr. 2 742, ECiO an RKM/MS, Res. No. 217/m, Taku-Rhede, 1.10.1900. Zur deutschen Operation gegen Liangxiang vgl. MWB 85,102 (1900), Sp. 2533; Admiralstab, Wirren in China, S. 187-189. KA, MS/OK 1900-XI-2/7, Nr. 2 851, K. u. k. Marine-Detachement in Peking an ECiO, Res. No. 5, Peking, 30.9.1900. Beilage 3 zu: ECiO an RKM/MS, Res. No. 249/m, Missionsbericht für die Zeit vom 1. bis 15.10.1900, Taku-Rhede, 16.10.1900. - Vgl. dazu MWB 85,104 (1900), Sp. 2569; Winterhaider (1902), S. 502. 413