Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Österreich-Ungarns Maritim-Militärische Präsenz in China: Vom Entsatz der Gesandtschaften bis Ende Januar 1901

angenommen hatte1432, bot dem k. u. k. Detachement an, „bis auf Weiteres“ frisches Fleisch, Brot und Gemüse um 70 Cent pro Tagesration zu liefern. Auf diese Weise konnte der Proviant an haltbaren Lebensmitteln vorerst unangetastet bleiben. Die dem k. u. k. Detachement in Beijing zur Verfügung stehenden Vorräte reichten am 31. August 1900 für etwa 16 Tage.1433 Die von Chamot gelieferten Nahrungsmittel wurden ab September „zahlbar nach den tatsächlich gelieferten Quantitäten“ bezogen.1434 Für den bevorstehenden Winter musste in Beijing „allen Ernstes ein Mangel an Lebensmitteln“ befürchtet werden. Montecuccoli erkannte die Notwendigkeit, „mit den Winter-Approvisionierungen baldigst zu beginnen.“ Die gelandeten Einheiten der k. u. k. Eskader waren mit Stichtag 1. Oktober bereits für einen Monat mit Lebensmitteln versorgt.1435 Nach der Abreise des Schweizers Chamot gestaltete sich die Versorgung der fremden Truppenkontingente zunehmend schwieriger. Am 10. Oktober erörterten die Kommandanten der in Beijing stationierten Truppenkontingente einen diesbezüglichen Vorschlag von Sir Robert Hart. Der Inspector General der Chinese Imperial Maritime Customs hatte „zur Vorbeugung einer Hungersnoth“ beantragt, einigen von ihm protegierten chinesischen Großkaufleuten Lizenzen für die Wareneinfuhr nach Beijing und für die Errichtung der dazu nötigen Lagerhäuser auszustellen. Die Kommandanten werteten diesen Vorschlag als Versuch Harts, diesen Großkaufleuten eine Monopolstellung im Handel zu verschaffen und einigten sich darauf, die Einfuhr von Lebensmitteln und Brennmaterial zu gestatten. Die einzulassenden Wagen sollten auf geschmuggelte Waffen untersucht werden.1436 Sowohl Montecuccoli als auch Czikann berichteten, dass die Chinesen auch noch im Oktober und November „das Weichbild der Stadt“ gemieden haben; laut Montecuccoli waren dadurch die „Zustreifungsverhältnisse [...] zeitraubend und umständlich“ geworden. Dazu kam, dass sich die chinesischen Großhändler nach Einschätzung Czikanns „noch immer vor Furcht nicht in die Stadt“ trauten.1437 Czikann, der seit Ende Oktober wieder in Beijing war, machte das Ministerium des Äußern auf die gestiegenen Lohnkosten für chinesisches Personal aufmerksam: Dadurch, daß während der Belagerung Pekings und Tientsins die meisten bei den Europäern angestellt gewesenen, grösstentheils der christlichen Religion angehörigen chinesischen Diener entweder ihr Leben eingebüsst haben oder geflohen sind, und ein Zuzug geeigneter Diener von Aussen her, bei der nicht ganz ungerechtfertigten Furcht Österreich-Ungarns maritim-militärische Präsenz in China... 1432 Zur Rolle des Ehepaars Chamot zu Beginn und während der Belagerung vgl. Paul Campiche, Notes sur la carrière d’Auguste Chamot. In: Revue Historique Vaudoise 63 (1955), S. 21-38, hier S. 27-30. 1433 KA, Schiffsakten „Kaiserin und Königin Maria Theresia“, Wickerhauser an das Kommando S.M.S. „Kaiserin und Königin Maria Theresia“, Peking, 31.8.1900. 1434 KA, MS/OK 1900-X1-2/7, Nr. 2 742, ECiO an RKM/MS, Res. No. 217/m, Taku-Rhede, 1.10.1900. 1435 KA, MS/OK 1900-XI-2/7,Nr. 2 742, ECiO an RKM/MS, Res. No. 217/m, Taku-Rhede, 1 10.1900. 1436 Ebenda, Nr. 3 036, ECiO an RKM/MS, Res. No. 308/M, Taku-Rhede, 1 11.1900. 1437 Ebenda, Nr. 2 851, ECiO an RKM/MS, Res. No. 249/m, Taku-Rhede, 16.10.1900. 397

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