Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)
Österreich-Ungarns Maritim-Militärische Präsenz in China: Vom Entsatz der Gesandtschaften bis Ende Januar 1901
Georg Lehner - Monika Lehner der Chinesen, für einstige Boxer gehalten und von den die Gegend durchstreifenden Occupationstruppen niedergeschossen zu werden, für die nächste Zeit nicht zu erwarten ist, ist übrigens ein so empfindlicher Mangel an Dienern, Kulis, Pferdeknechten etc. und demzufolge eine solche Erhöhung der Löhne eingetreten, daß sich die Kosten für Löhne und Ernährung der nothwendigen Diener gegen früher mehr als verdoppelt haben.'418 Das k. u. k. Eskaderkommando war bestrebt gewesen, die Vorräte beim Marinedetachement in Beijing so schnell wie möglich zu komplettieren. Neben Lebensmitteln wurden vor allem Zeltblätter, Brennholz, Pelzmäntel und Pelzstiefel baiheaufwärts transportiert. S.M.S.,Aspern“ hatte Auftrag erhalten, in Zhifü/Yantai und Weihaiwei „Tabak, Cigaretten, Briefpapier und sonstige Proprietäten für die Detachements einzukaufen, da an diesen Artikeln, insbesonders in Peking, grosser Mangel herrscht.“1419 Probleme bei der Verproviantierung der gelandeten k. u. k. Detachements Bei diesen für die Angehörigen der k. u. k. Kriegsmarine ungewöhnlichen Nachschubdiensten zu Lande waren zwangsläufig auch zahlreiche Probleme aufgetreten. Diese manifestierten sich zum einen in den äußeren Bedingungen, zum anderen jedoch auch in der inneren Organisation der gelandeten Detachements. Als „Kaiserin Elisabeth“ und ,Aspern“ im September vor Dagu eintrafen, waren in Tanggu, das als Hauptumschlagplatz der für die gelandeten Truppen vorgesehenen Nachschübe diente, „alle Terrainstrecken längs der Landungsstellen zur Einrichtung von Depots und Unterbringung von Mannschaften geeigneten Räumlichkeiten“ von den Truppen der anderen Mächte besetzt. Die für die gelandeten k. u. k. Detachements bestimmten Sendungen mussten „oft stundenlang im Strome warten“, bis sich an den Anlegeplätzen eine „Lücke“ auftat, wo man die Ladung löschen konnte. Die Nachschübe mussten ohne Ladekran an Land gesetzt werden. Das hektische Treiben in Tanggu kam unter diesen Voraussetzungen noch erschwerend hinzu: Bei dem enormen Gedränge, welches in Tongku zufolge der Anhäufung von Mannschaften, Trag- und Zugthieren und Materialien allerart beständig herrschte und der förmlichen Jagd nach Ablagerungsplätzen und Eisenbahn-Wägen für die Weiterbeförderung, bot die Gebahrung mit dem Materiale und dessen Ueberwachung ganz besondere Schwierigkeiten; es kam unter diesen Verhältnissen sogar oft vor, daß fremde Kulis, die momentan nicht unter Bedeckung arbeiteten, ohneweiters mit Beschlag belegt wurden.1440 Am 7. Oktober 1900 kritisierte Montecuccoli gegenüber dem Kommando S.M.S. „Kaiserin und Königin Maria Theresia“ protokollarische Unterlassungen beim Hissen und Einholen der Flagge, „das Benehmen in Booten, sowie unzählige andere Fahrlässigkeiten im Dienste und in der Haltung des Schiffes.“ Mehrere Vorfälle hätten ihm gezeigt, dass HHStA, A R. F 4/319 Personalia Silvestri 1/9-3, Czikann an MdÄ, Bericht No. XII, Peking, 6.11.1900. KA, MS/OK 1900-XI-2/7, Nr. 2 851, ECiO an RKM/MS, Res. No. 249/m, Taku-Rhede, 16.10.1900. KA, MS/OK 1901-1-1/1, Nr. 126, ECiO an RKM/MS, Res. No. 410/m, Yokohama, 12.12.1900. 398