Sonderband 4. Das Institutionserbe der Monarchie. Das Fortleben der gemeinsamen Vergangenheit in den Archiven (1998)

Manfred Stoy: Die Ausbildung von ungarischen Historikern am Institut für österreichische Geschichtsforschung

Die Ausbildung von ungarischen Historikern am Institut für österreichische Geschichtsforschung Barabäs studierte in Budapest Geschichte und wurde von dem bekannten ungari­schen Historiker Sändor Szilagyi an das Institut für österreichische Geschichtsfor­schung geschickt. Von 1883 an arbeitete er in der Budapester Universitätsbiblio­thek, 1885-1915 war er Mitarbeiter im Staatsarchiv. Zugleich stand er als Sekretär Szilagyi in der Ungarischen Historischen Gesellschaft zur Seite und übernahm nach dessen Tode den Vorsitz. Barabäs war ein ausgezeichneter Kenner der Ur­kunden zur ungarischen Geschichte und neben den Monographien über Frater Ge- org/Martinuzzi (1885) und Georg I. Räköczis Beziehungen zur Pforte (1888) gab er eine Reihe von wichtigen Urkundeneditionen heraus wie zum Beispiel zum Ge­schlecht der Frankapani/Frangepan (1910-1913 zusammen mit Thallöczy Lajos), zur Familie Teleki (1895-1896) und über Miklös/Nikola Zrinyi/Zrinski, den Helden von Szigetvar (1898-1899). Barabäs war seit 1910 korrespondierendes Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften25. 7. Györi de Nadudvär Arpäd (1861-1942). 15. Ausbildungskurs 1883-1885. Mitgl. Nr. 113. Bedeutende Kursmitglieder: Donabaum Josef (1861-1936, seit 1922 Generaldi­rektor der österreichischen Bibliotheken). - Falke Otto von (1862-1942, seit 1920 Generaldirektor der staatlichen Museen in Berlin). - Steinherz Samuel (1857- 1942, 1901 a. o. und 1908 o. Prof, für historische Hilfswissenschaften, seit 1915 für österreichische Geschichte an der deutschen Universität in Prag). - Voltelini Hans v. (1862-1938, 1900 a. o., 1902 o. Prof, für österreichische Geschichte an der Uni­versität Innsbruck, seit 1908 o. Prof, für deutsches Recht und österreichische Reichsgeschichte an der Universität Wien). - Kehr Paul (1860-1944, 1895 o. Prof, für mittlere und neuere Geschichte an der Universität Göttingen, 1903 Direktor des preußischen historischen Instituts in Rom, seit 1914 Generaldirektor der preu­ßischen Staatsarchive, seit 1919 Zentraldirektor der Monumenta Germaniae Histo­rica). - Thommen Rudolf (1860-1950, seit 1915 o. Prof, für schweizerische Ge­schichte und historische Hilfswissenschaften an der Universität Basel). Lehrangebot: Urkundenlehre von Sickel. - Österreichische Geschichte von Zeiß- berg. - Allgemeine Geschichte der Kaiserzeit, Sphragistik, Lateinische Paläogra­phie, Kritische Übungen zu den Gesta Fridericii von Mühlbacher. Wurde 1861 in Wien als Sohn des Hausarztes von Erzherzog Albrecht geboren. Er trat nach Beendigung der rechtswissenschaftlichen Studien 1884 als Konzepts­praktikant in das Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien ein. 1913 wurde er zum 2. Vizedirektor, 1917 zum Hofrat ernannt. Mit dem Zerfall der österreichisch-unga­rischen Monarchie ist er am 1. Dezember 1918 in den dauernden Ruhestand getre­ten. Im Archivdienst hat Györi die Abteilungen Belgien, Niederlande, Ungarn und Osteuropa verwaltet. Später wurden ihm die Leitung der Bibliothek sowie die Ver­waltung des Familienarchivs und der Hofarchive anvertraut. Große Verdienste hat er sich um den 1902 fertiggestellten Archivneubau erworben. In der Anlage und 25 Lhotsky: Geschichte, S. 183 A. 90. - Lukinich, Imre: Barabäs Samu 1855-1940. In: Szazadok 75 (1941) S. 111-112. - MÉL 1 (1981) 110. 56

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