Sonderband 4. Das Institutionserbe der Monarchie. Das Fortleben der gemeinsamen Vergangenheit in den Archiven (1998)

István Fazekas: Die ungarischen Archivdelegierten im Haus-, Hof- und Staatsarchiv, sowie im Finanz- und Hofkammerarchiv - Ein Bilanzversuch

Istvân Fazekas Nach der kommunistischen Machtübernahme, in der Zeit des kalten Kriegs wur­den die Archivdelegierten zurückberufen. Oszkar Sashegyi kehrte heim. Gyula Miskolczy, der seit 1925 ständig im Ausland gelebt hat, wollte diesen Schritt nicht tun. Er ist in Wien geblieben, hat das Amt des Archivdelegierten aufgegeben, und arbeitete bis zu seinem Tod im Jahre 1962 als Honorarprofessor an der Universität Wien. Die Aussetzung der Archivdelegation bedeutete aber nicht, daß die Wichtigkeit der Wiener Archive für die ungarische Geschichtsforschung geringer gewesen wäre. Erzsébet Andies, Vorsitzende der Ungarischen Historischen Gesellschaft hat im Zusammenhang mit dem 5jährigen Plan der ungarischen Geschichtswissen­schaft eine Umfrage unter mehreren berühmten ungarischen Historikern gehalten, welche Bestände der Wiener Archive für die Mikroverfilmung würdig wären. Un­ter den befragten fünf Historikern waren drei frühere Archivdelegierte, wenn wir den Liquidierungskommissar Szekfü zu dieser Gruppe rechnen. Gleichzeitig mit der Aufzählung der wichtigsten Archivbestände haben sie den Antrag gestellt, daß dieses Unternehmen von einem neuerlich zu entsendenden Archivdelegierten geleitet werden solle25. In Folge der Umfrage begann die Verfilmung in Wiener Archiven, besonders im Haus-, Hof- und Staatsarchiv. Im Jahre 1960 besaß das Ungarische Staatsarchiv mehr als 280.000 Mikrofilmaufnahmen aus den Wiener Archiven. Nachdem im Jahre 1959 wieder ein Archivdelegierter nach Wien entsendet worden war, wurde zu einer seiner wichtigsten Aufgaben die Koordinierung der Verfilmung, dazu ka­men noch die Erschließung und Katalogisierung der Ungarn betreffenden Akten. Heute verwahrt das Ungarische Staatsarchiv mehr als 3 Millionen Mikrofilmauf­nahmen aus Wien. Am Anfang spielten individuelle Forscherwünsche bei der Aus­wahl der Archivalien eine große Rolle. Von den siebziger Jahren an war Ungarn bestrebt, ganze Bestände oder allen Ungarn betreffenden Akten zu verfilmen. Zu den Aufgaben der Delegation zählt die Hilfe für ungarische Forscher. Bei den bis 1989 bestehenden Reiseschränkungen bedeutete diese Tätigkeit der Delegation eine unersetzliche Unterstützung für viele ungarische Historiker. Heutzutage, nach dem Zusammenbruch des Eisernen Vorhanges, forschen immer mehr ungarische Historiker persönlich in Wiener Archiven. Da dem Archivdelegierten dabei keine Zeit für langwierige Sucharbeiten bleibt, wurde begonnen, eine ausführliche, anno­tierte Bibliographie über die ungarischen Publikationen aus Wiener Archiven zu­sammenzustellen. Wenn wir die Tätigkeit der Zivildelegation im Bereich der Erschließung zusam­menfassen wollen, können wir die folgenden Behelfe aufführen. Vor der Aufzäh­lung trockener Daten darf ich mit höchster Verehrung die Archivdelegierten der letzten 37 Jahre nennen. Istvân Källay, Jänos Buzasi, Miklös Szinai, Imre Ress, Lajos Gecsényi. An der Spitze der Erschließungen ist der Bestand Hungarica aus dem Haus-, Hof- und Staatsarchiv gestanden. Ein thematisches Inventar mit Zettelkatalog 25 MOL Sektion Y, Direktionsakten Februar-März 1950. Für diese Angabe danke ich Dr. Imre Ress (Budapest). 99

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