Sonderband 4. Das Institutionserbe der Monarchie. Das Fortleben der gemeinsamen Vergangenheit in den Archiven (1998)

István Fazekas: Die ungarischen Archivdelegierten im Haus-, Hof- und Staatsarchiv, sowie im Finanz- und Hofkammerarchiv - Ein Bilanzversuch

Die ungarischen Archivdelegierten im Haus-, Hof- und Staatsarchiv wurde darüber angefertigt26. Auch ein Verzeichnis der in Reichsarchiven befind­lichen, Ungarn betreffenden Akten wurde zusammengestellt und gedruckt27. Ob­wohl das Königreich Ungarn nie zum Heiligen Römischen Reich gehört hatte, hat man darin Hungarica in großer Anzahl gefunden. Weiters wurden die Hungarica aus dem Bestand Staatskonferenz erschlossen (der Behelf wurde bisher nicht publi­ziert). Dieses Verzeichnis dient nicht nur der Erforschung des Originalbestandes, sondern man kann mit seiner Hilfe auch die Mikrofilmrollen leichter benützen. Außerdem wurden noch aus den Beständen Informationsbureau, Reichsrat und Jüngerer Staatsrat die für die ungarische Geschichte wichtigen Akten erfaßt28. Die Verfilmung beschränkte sich nicht nur auf das Haus-, Hof- und Staatsarchiv, mehrere Bestände des Finanz- und Hofkammerarchivs wurden aufgenommen. Zum Beispiel Ungarisches Münz- und Bergwesen, Vermischte ungarische Gegen­stände, Ungarische Gedenkbücher, und natürlich die Akten der Hoffinanz-Ungarn, die für die Geschichte des 16. und 17. Jahrhunderts von großer Bedeutung ist, nur die gemeinsamen Protokolle sind aus finanziellen Gründen aus dem Mikrofilm­projekt ausgeklammert worden. Demzufolge ist die Benützung der Akten wesent­lich mühsamer geworden, weshalb in den letzten Jahren begonnen wurde, einen Behelf für diese zu machen. Das Verzeichnis ist für die ersten 44 Faszikel (bis 1580) fertig, und die Arbeit geht weiter29. Wenn wir die verfertigten Behelfe und die Menge der Mikrofilmaufnahmen ver­gleichen, geht daraus hervor, daß die Herstellung der Behelfe mit dem Tempo der Mikrofilme nicht Schritt halten konnte, weil einerseits die Bestände nach dem Per­tinenprinzip zusammengestellt sind, andererseits, wie ich oben erwähnt hatte, sind die Protokolle nicht in allen Fällen aufgenommen worden. Die Aufgabe der Zu­kunft wird nicht nur daran liegen, neue Hungarica zu erschließen, sondern neue Behelfe für schon verfilmte Archivalien zusammenzustellen. Wenn wir einen Vergleich mit der Vorkriegszeit anstellen, kann man die Behelfe, und die anderen archivalischen Tätigkeiten höchst positiv bewerten, aber es fällt sofort auf, daß die Quellenpublikationen in der zweiten Epoche der Delegation vernachlässigt wurden. Wenn wir auch zur Kenntnis genommen haben, daß die gro­ßen Zusammenfassungen und Quellenausgaben schon seit langem nicht von Archi­varen geschrieben wurden, sondern von hauptamtlichen Historikern, muß man die Vernachlässigung übermäßig nennen. Viele ungenützte Möglichkeiten sind noch für eine intensivere Zusammenarbeit zwischen den österreichischen und ungari­26 Ungarische Akten. Allgemeine Akten. Ein thematisches Repertorium. Zusammengestellt von Jänos Buzâsi. Levéltâri leltärak 70. Budapest 1977. 27 A birodalmi levéltârak magyar vonatkozâsü iratai I—II. (Hungarica aus den Reichsarchiven). Ein the­matisches Inventar. Levéltâri leltärak 76. Budapest 1979. 28 Diese Erschließungen wurden von Imre Ress gemacht. Der Behelf für Staatskonferenz wurde von ihm und Dr. Gäbor Pajkossy (Budapest) verfertigt. 29 Der Behelf für Hoffinanz-Ungarn wurde von Lajos Gecsényi zusammengestellt. Dr. Gecsényi war besonders in Ordnungsarbeiten der Familienarchive im Haus-, Hof- und Staatsarchiv tätig. Er ordnete das Familienarchiv Erdö'dy, Familienarchiv Pälffy, Familienarchiv Csäky, Nachlaß Kajetan Mérey, und das sogenannte „Archiv Marchegg“ der Familie Pälffy im Niederösterreichischen Lan­desarchiv. 100

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