Sonderband 3. „wir aber aus unsern vorhero sehr erschöpfften camergeföllen nicht hernemben khönnen…” – Beiträge zur österreichischen Wirtschafts- und Finanzgeschichte vom 17. bis zum 20. Jahrhundert (1997)
† Peter Gasser: Karl VI., Triest und die Venezianer
Karl VI., Triest und die Venezianer brach Triests in diese Bereiche war nicht nur aus geographisch-verkehrstechnischen Gründen, sondern auch deshalb kaum zu befürchten, da die einmal jährlich staatfm- dende Triester Fiera keine ernsthafte Konkurrenz für den alljährlich viermal statt- fmdenden Bozener Markt darstellen konnte. Ein Handelsplatz könne niemals gedeihen, wenn Waren zwar hingebracht, ihr Weitertransport jedoch untersagt bzw. durch untragbare Zollsätze unmöglich gemacht werde. Dies dürfe im Falle Triest umso weniger geschehen, als dieser Hafen „als eine Scala zu considerieren komme, von welchem in welsch und deutsche Länder tamquam ex centro ad circumferentiam das commercium dirigiert werden solle“'46. Es ist ein Irrtum zu glauben, daß die schon 1728 geplante und am 31. Juli 1729 endgültig beschlossene Fiera weitblickend und umsichtig vorbereitet worden wäre. Auch über dieses Kapitel hat Freiherr von Widmann, als das Ergebnis der ersten Triester Messe in groben Umrissen überblickt werden konnte, ausführlich berichtet und die Schuld an ihrem Mißerfolg den schwerfällig und planlos arbeitenden Stellen in Wien zugeschrieben. Auf dem Weg nach der Haupt- und Residenzstadt hatte sich Fortunato Cervelli im Mai 1730 auch einige Tage in Triest aufgehalten, wo er zu seinem Befremden das Fehlen jeglicher Vorbereitung für die Messe feststellen mußte und von den Triesti- nern erfahren sollte, daß niemand an die Abhaltung der Fiera noch im selben Jahre glauben könne147. Widmann bestätigte Cervellis Bericht. Die städtischen Behörden hatten von sich aus keine Vorbereitungen getroffen, vielmehr alles der in Triest kaum vorhandenen Privatinitiative überlassen148. Das Fehlen einer kompetenten, lediglich der Hofkammer oder einer anderen zentralen Stelle unterstellten Behörde machte sich gerade in diesen Jahren negativ bemerkbar. Fortunato Cervelli hatte sich, wie gesagt, den Ausbau der Handelsbeziehungen zwischen den Erbländern und Italien zur Lebensaufgabe gestellt und erwartete viel von der Triestiner Fiera. Cervelli forderte zunächst die ihm wohlbekannten Mailänder Großhändler Rinaldi, Negri, Piazza und Rocci zur Eröffnung von Filialen in Triest und zur Errichtung von Magazinen zur Aufnahme von Waren aus der Lombardei und dem übrigen Italien auf. Er sah einen zeitlich genau geregelten Seetransportdienst vor, der die Verbindung zwischen Triest und den Adriahäfen des Kirchenstaates sowie dem Königreich Neapel bewerkstelligen sollte. Den in Triest zu gründenden Großhandelshäusern legte der Ferrarese die gleichzeitige Eröffnung von Zweigstellen in den päpstlichen Häfen Cesena, Cesenatico, Cervia, Rimini, Tesaro, Fano Sinigaglia und Ancona zur Übernahme der für Triest bestimmten bzw. von dort zu beziehenden Güter nahe. Für die Durchführung der Seetransporte schlug Cervelli, weil sicherer oder billiger, ein den heutigen Geleitzügen ähnliches System * 14 146 HHStA Wien, Österreichische Akten, Triest-Istrien, Fasz. 9, fol. 272'. Ebenda, fol. 418V und 419' „... avendo il detto Cervelli assicurato, che nel suo passaggio per Trieste non abbia trovato la veruna disposizione, à alcun ordini per la fiitura fiera.“ 14S Ebenda, fol. 419" „... nissuno ebbe la cura ed attenzione di reflettere sulle disposizioni preliminari ...“ 85