Sonderband 3. „wir aber aus unsern vorhero sehr erschöpfften camergeföllen nicht hernemben khönnen…” – Beiträge zur österreichischen Wirtschafts- und Finanzgeschichte vom 17. bis zum 20. Jahrhundert (1997)

† Peter Gasser: Karl VI., Triest und die Venezianer

Peter Gasser vor, wobei der Schiffspark zu gleichen Teilen von Triest und den sogenannten „päpstlichen Häfen“ bereitgestellt werden sollte. Die Beförderung der für die Bin­nenstädte des Kirchenstaates bestimmten Güter glaubte er von Pesaro aus mit Pferde- und Maultiergespannen nach Perugia, Rieti, Foligno, Orvieto, Viterbo, Tivoli und Rom durchfuhren zu können. Die Verwirklichung dieses Projekts war nur im Ein­vernehmen mit der Kurie zu erreichen, von der er sich auf dem Verhandlungswege die Gewährung günstiger Zoll- und Mautbedingungen erhoffte. Zu diesbezüglichen Besprechungen war aber der Heilige Stuhl nicht zu bewegen, da er in der Triester Fiera eine Konkurrenz für Sinigaglia befürchtete. Die beabsichtigte Verbindung nach Neapel wollte Cervelli von Triest nach dem apulischen Hafen Manfredonia und von dort auf dem Landwege in die Hauptstadt dieses Königreiches fuhren. In Neapel sollte zur Pflege engerer kommerzieller Be­ziehungen zu den Erbländern und mit besonderer Berücksichtigung der Triestiner Fiera eine eigene, dem Vicepresidente per il commercio unterstellte Behörde ins Leben gerufen werden. Sichtbarer Erfolg war Cervelli nur mit seinem an die lombardischen Kaufleute ge­richteten Appell beschieden. Der Mailänder Großkaufmann Fortunato Piazza eröff- nete im Frühjahr 1730 in Triest ein Handelshaus. Darüber hinaus gewährte Piazza auch dem von Giovanni Giacomo Rocci aufgebauten See- und Flußtransportdienst finanzielle Unterstützung. Rocci, ein in Ferrara wohnhafter Mailänder, hatte sich zur Einrichtung eines regelmäßigen Fracht- und Passagierverkehrs zwischen dem unweit von Ferrara gelegenen Pohafen Pontelagoscuro und Triest entschlossen149. Der Fähr­betrieb sollte bereits am 1. August desselben Jahres aufgenommen und dann regel­mäßig am 1. und 15. eines jeden Monats ein Schiff von Triest und ein anderes gleichzeitig von Pontelagoscuro bzw. von dem an der Pomündung befindlichen Goro aus abgefertigt werden. Auf Messedauer waren ein verstärkter Schiffseinsatz und erhöhte Verkehrsfrequenz vorgesehen. Darüber hinaus war Giovanni Giacomo Rocci im Bedarfsfälle bereit, die oberwähnte Route auch außerhalb der festgesetzten Ter­mine zu befahren. Schließlich verkündete er auch die Bereitschaft, Waren in Kom­mission zu übernehmen, für deren Lagerung er seine eigenen Magazine in Ferarra und Pontelagoscuro zur Verfügung stellen wollte. In einem Brief, mit dem er am 6. September 1730 Cervelli über den Erfolg seiner ersten Fahrten berichtete, beklagte sich Rocci über die Praktiken der päpstlichen Zöllner in Pontelagoscuro. Diese hätten den für Triest bestimmten Waren die ur­sprünglich vereinbarten Begünstigungen nicht gewährt, den nach Venedig abgehen­den Sendungen hingegen ein Viertel bis ein Drittel des Zollsatzes nachgelassen. Er bat um eine diesbezügliche Intervention Cervellis150. 149 AVA Wien, Patentesammlung, Karton 12, „Si farà sapere a qualunque Mercante, o Persona di qualsiasi stato, e grado, che volesse transitare con qualunque sorte di robbe, Merci e Persone per il Po da Lombar­dia, e Porto di Goro, e portarsi a Trieste cioè di Genova, Livorno, Firenze, Milano, Parma, Piacenza, Mantova, Bologna e Ferrara, e da tutta la Lombardia, come per l’awenire vi saranno pronto le Barche da transporto ...“. 1!° HHStA Wien, Österreichische Akten, Triest-Istrien, Fasz. 9, fol. 387". 86

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