Sonderband 3. „wir aber aus unsern vorhero sehr erschöpfften camergeföllen nicht hernemben khönnen…” – Beiträge zur österreichischen Wirtschafts- und Finanzgeschichte vom 17. bis zum 20. Jahrhundert (1997)
† Peter Gasser: Karl VI., Triest und die Venezianer
Peter Gasser die Monarchie die Notwendigkeit der Tuchimporte wegfallen könnte137. Auch über den Stand der Wollstrumpferzeugung zeigte sich Benzoni, nach Besichtigung der Fabriken in Fuchs und Ossek, deren Anlage und Produktionsergebnisse englischen Standard erreicht hatten, im höchsten Maße befriedigt. Wieder in Prag, setzte er seine Bemühungen um die Triester Messe in Gesprächen mit den Vorstehern der dortigen Kaufmannschaft fort. Die Prager erklärten sich zu einem Messebesuch in Triest prinzipiell bereit, machten ihre endgültige Zustimmung jedoch von der Verwirklichung der im Freihafenprivileg angekündigten Zollerleichterungen abhängig. So forderten sie eine generelle Abgabebefreiung für alle aus Böhmen nach Triest und Fiume geführten Roh- und Fertigwaren. Ihre auf diesem Gebiete bis dato gesammelten Erfahrungen seien keineswegs ermutigend, da von ihnen im Widerspruch zu den im Jahre 1725 und auch später erlassenen Bestimmungen in einigen Fällen ungerechtfertigte Abgaben verlangt worden wären, worüber sie auch bei der Böhmischen Hofkanzlei Beschwerde erhoben hätten138. Auch klagten die Prager Händler über die Langsamkeit der vom Litorale nach Böhmen abgewickelten Transporte, die sich vor allem bei Lebensmittelsendungen höchst unangenehm auswirkte. Sie führten diese Unzukömmlichkeiten in erster Linie auf die umständlich langwierigen Manipulationen der Kontrollstellen in Laibach zurück. Mit dem Versprechen Benzonis, diesbezüglich bei den Wiener Zentralstellen vorstellig zu werden, fanden seine Prager Gespräche mit dem Besuch der dortigen Damastmanufaktur ihren Abschluß. Aus dem zunehmenden Bedarf Italiens an Woll- und Tuchwaren und dem ständigen Anwachsen der böhmisch-schlesischen Produktion sah Benzoni günstige Zukunftsaussichten für die erbländische Ausfuhr. Noch war allerdings der Eigenbedarf der Monarchie auf diesem Sektor nicht gedeckt, doch hielt er dieses Ziel durch staatliche Förderung der bestehenden Tuchfabriken bzw. durch Zuschüsse aus derselben Quelle bei Fabriksneugründungen für erreichbar. Da für kleinere Betriebe die Rohstoffbeschaflung aus dem Auslande unerschwinglich war, schlug Benzoni die Errichtung von Wollmagazinen in Prag und Breslau vor, die zum Teil auf Staatskosten bzw. unter gleichzeitiger Beteiligung der Stadt Prag sowie der Prager und Breslauer Großhändler geschaffen werden sollten139. Den Messeerfolg in Triest selbst machte Stefano Benzoni vor allem von der zeitgerechten Gründung kreditfähiger Handelshäuser in der Hafenstadt abhängig, mit denen die Böhmen und Schlesier oder die ihre Interessen vertretenden Wiener in Bargeld- bzw. Wechselverkehr treten sollten. Seine bereits in Breslau diesbezüglich gegebenen Zusicherungen waren aber, wie man noch sehen wird, voreilig erfolgt. 137 HHStA Wien, Österreichische Akten, Triest-Istrien, Fasz. 9, fol. 311' „... Sarebbe desiderabile, che ad’imitazione di questo zelante Cavaliere [Waldstein] gli altre Baroni richi dei Regno erigesseron simili Fabriche, e mettesseron li Stati Ereditari in positura, de non aver bisogno dei Parmi fini foresti...“. 138 Ebenda, fol. 3if „... non ostante la detta Patente, dicono di esser stati in piü Casi aggravati, sicome hanno già prodotto in questo particolare alla Cancellerie di Boemia le loro querelle ...“. 135 Ebenda, fol. 313'. 82