Sonderband 3. „wir aber aus unsern vorhero sehr erschöpfften camergeföllen nicht hernemben khönnen…” – Beiträge zur österreichischen Wirtschafts- und Finanzgeschichte vom 17. bis zum 20. Jahrhundert (1997)
† Peter Gasser: Karl VI., Triest und die Venezianer
Karl VI., Triest und die Venezianer Notwendig schienen dem Italiener eine Regelung der Lohnforderungen der Transportführwerker sowie die Einhaltung der in dem Patente vom Jahre 1725 und auch in späteren Erlässen immer wieder angekündigten Zollerleichterungen. Auch sollten die am 31. August 1729 für die Fiera erlassenen Bestimmungen in ausführlicher Form abermals veröffentlicht und durch einen rasch arbeitenden Nachrichtendienst allen Städten der Monarchie zur Kenntnis gebracht werden, sodaß die Kaufleute zeitgerecht ihre Dispositionen treffen könnten. Benzoni hielt auch Verhandlungen mit der Republik Ragusa für zweckmäßig, zumal die Ragusaner Kaufherren nach dem traditionellen Besuch der Messe von Sini- gaglia im Juli rechtzeitig zur Fiera in Triest eintreffen konnten140. Es war zu erwarten, daß der Plan eines Triestiner Jahrmarktes nicht überall eine freundliche Aufnahme finden würde. Von der gewohnt feindlichen Einstellung Venedigs abgesehen, sah auch die Kurie in der künftigen Triestiner Fiera eine gefährliche Rivalin für den Jahrmarkt in Sinigaglia, der vornehmlich von Griechen und Levantinern besucht wurde. In Rücksichtnahme auf Sinigaglia wurde auch der Augusttermin gewählt, Rom wünschte aber einen zeitlich größeren Abstand zwischen den beiden Messen. Ein Entgegenkommen Wiens war in diesem Falle jedoch nicht möglich, da im Frühjahr mit Transportschwierigkeiten auf den verschneiten Bergstraßen gerechnet werden mußte und im Herbst, bedingt durch die in diesen Monaten oft lang anhaltende Bora, die klaglose Abwicklung des Seeverkehrs nicht gesichert werden konnte. Der Heilige Stuhl erwog sogar als Gegenmaßnahme die Erklärung Anconas zum Freihafen. Diese von Widmann nicht allzu ernst genommene Drohung offenbarte allerdings die grundsätzlich unfreundliche Einstellung der Kurie zu dem Triester Messeprojekt141. Dabei hätte die zeitliche Verlegung des Jahrmarktes von Sinigaglia, schon in Anbetracht der Tatsache, daß dieser Platz nur auf Messedauer belebt, ansonsten aber völlig verlassen lag, der Ökonomie des Kirchenstaates sicherlich keinen Abbruch getan. Die Haltung Roms würde keine nennenswerten Nachteile für Triest bewirken; Schwierigkeiten waren aber nach Ansicht Widmanns von Tirol aus zu erwarten. An der Brennerstraße hatte sich am Zusammenfluß von Eisack und Etsch schon im Mittelalter Bozen zu einem blühenden Handelszentrum und zu einer Messestadt entwickelt. Mit Unbehagen hatten die Tiroler die Bestrebungen Karls VI. verfolgt, die erbländische Ein- und Ausführ von und nach dem Süden z. T. über die noch auszubauenden Häfen Triest und Fiume zu leiten. Der Plan einer Fiera in Triest steigerte ihren Unmut noch mehr, der in einer Reihe von Petitionen zum Ausdruck gebracht wurde. Die Einführung der Triester Fiera geschah bedauerlicherweise zu einem Zeitpunkt, als ein neu eröffneter, aus der Lombardei über Graubünden nach Süddeutschland führender Handelsweg sich überaus nachteilig für die alte Brenner140 HHStA Wien, Österreichische Akten, Triest-Istrien, Fasz. 9, fol. 314v. 141 Ebenda, fol. 414', „Non s’haverà da sperare un favor grande dalla Corte di Roma, mà più tosto, Essa forà alcun impedimenti, temendo Ella non solamente un pregiudizio per la Sua fiera di Senigaglia, ed es- sendo intentionata a dichiarare Ancona Porto franco“. 83