Sonderband 3. „wir aber aus unsern vorhero sehr erschöpfften camergeföllen nicht hernemben khönnen…” – Beiträge zur österreichischen Wirtschafts- und Finanzgeschichte vom 17. bis zum 20. Jahrhundert (1997)
† Peter Gasser: Karl VI., Triest und die Venezianer
Karl VI., Triest und die Venezianer Kommissionsgeschäft und hier vor allem in der Durchführung der vielfach von „antecipierten“ Wechseln einbegleiteten Bestellungen aus Holland, England und Spanien, wobei sie sich in Anbetracht des beständigen und an den Umsätzen gemessen, umfangreichen Geschäften mit der niedrigen Provision von 2 % begnügten. Im Verlauf der Diskussionen bekannten die dortigen Geschäftsleute ihre über eigene in Bozen bestehende Exposituren geführten Handelsbeziehungen mit Italien, hielten aber eine Beschickung der Triester Fiera schon wegen der großen Entfernung und unzulänglicher Vorbereitungen in Triest als undurchführbar. Sic stellten bestenfalls eine Vertretung ihrer Interessen in Triest durch Wiener, Grazer bzw. Laibacher Handelspartner in Aussicht. In Hirschberg und in den beiden anderen Städten hatte Stefano de Benzoni nicht jenen Erfolg, den er in Breslau errangen zu haben glaubte136. Die mangelhafte Bereitwilligkeit (renitenza), neue Exportwege zu beschreiten, führte er auf den sicher über Hamburg geleiteten Handel mit Holland und England zurück, der den Kaufleuten nahezu mühelos beträchtliche Gewinne einbringe. Nächste Etappe der Rundreise war Reichenbach, wo Benzoni und Bertelli die Qualität der Leinen- und Wollerzeugnisse nur mäßig, den dort hergestellten Barchent hingegen hervorragend und den einschlägigen holländischen Produkten als absolut gleichwertig bewerteten. Benzoni hielt die in Innerösterreich für diese Waren bestehende Einfuhrsperre für unbegründet und die diesbezüglichen von den Händlern und Produzenten vorgebrachten Beschwerden für berechtigt. In Glatz hatten einige Kaufleute durch Zusammenlegung ihrer Kapitalien eine Tuchfabrik errichtet. Das dort hergestellte Tuch konnte sich nach dem Urteil der beiden Italiener mit den besten Erzeugnissen aus dem Auslande messen. Die Produktion nehme ständig an Umfang zu und ließe für die Zukunft das Beste erhoffen. An eine Messebeteiligung in Triest dachten aber auch die Glatzer nicht, doch hielt Benzoni die Sendung solcher Tuche nach Triest durch die Vermittlung der Wiener Geschäftsleute für durchführbar. Nach einem kurzen Aufenthalt in Prag, wo er am 1. November 1729 eingetroffen war, setzte der Agent seine Fahrt mit dem Besuch der in Nordböhmen in Oberleutersdorf bei Dux gelegenen größten Tuchfabrik der Erblande fort. Besitzer dieses Werkes war Emanuel Graf Waldstein, der über 600 Untertanen seiner Herrschaft hier beschäftigte. Der Graf scheue, wie Benzoni bewundernd feststellte, für den ständigen Ausbau seiner Fabrik weder Geld noch Mühe. Für das u. a. hier erzeugte feinste Tuch sah der Italiener, da die Engländer und Holländer Italien mit gleichwertigen Produkten billiger versorgen könnten, nur geringe Ausfuhrmöglichkeiten. Günstigere Exportchancen räumte er den Tuchen mittlerer und billiger Qualität ein. Sichtlich beeindruckt von der Persönlichkeit des Grafen Waldstein erwartete Benzoni auch von den anderen Feudalherren Böhmens ähnliche Initiativen, wodurch für 136 HHStA Wien, Österreichische Akten, Triest-Istrien, Fasz. 9, fol. 308” „... Non ostante queste rimostranze, ho osservato nelli detto Negozianti assai poca disposizione die voler intraprendere questo nuovo Traffico ...“. 81