Sonderband 3. „wir aber aus unsern vorhero sehr erschöpfften camergeföllen nicht hernemben khönnen…” – Beiträge zur österreichischen Wirtschafts- und Finanzgeschichte vom 17. bis zum 20. Jahrhundert (1997)

† Peter Gasser: Karl VI., Triest und die Venezianer

Peter Gasser Hälfte reduzieren ließe, wenn als Frachtspesen von Hirschberg nach Wien drei und von Wien nach Triest 3, 35 Gulden veranschlagt würden. Der Kaiser käme, wie Benzoni noch ausdrücklich betonte, den Kaufleuten in Triest ganz besonders dadurch entgegen, da er die bei Marktgeschäften übliche Honorie­rung des Sensals selbst auslegen wolle. Eine Begünstigung, die die Händler nur bei der Triester Fiera antreffen würden. Die vorsichtigen Schlesier nahmen die gebotenen Vorteile mit geziemendem Dank zur Kenntnis, gaben aber dem Agenten im Verlauf der zweiten Sitzung zu verstehen, daß ihr Exportgeschäft auf den Besuch der Märkte in Linz und Bozen ausgerichtet wäre. Auch zeigten sie sich, wie Benzoni feststellen mußte, über die in Triest herr­schenden Verhältnisse wohl unterrichtet. Bedenklich empfanden sie das Fehlen kreditfähiger Handelshäuser, mit denen allfallige Geschäftsverbindungen angeknüpft werden sollten und daß es in Triest niemanden gäbe, dem sie ihre Waren in Kom­mission überlassen könnten. Die Produkte selbst nach Triest zu begleiten, wäre ihrer Ansicht nach unmöglich. Benzoni trachtete diese Einwände mit der Versicherung zu entkräften, daß den Händlern ein Abbruch ihrer altbewährten Handelsverbindungen nicht im entfernte­sten zugemutet, die weitere Beschickung der Bozener und Linzer Märkte vielmehr begrüßt und nur eine probeweise Beteiligung an der zukünftigen Triester Fiera ge­wünscht werde. Zudem wären bereits Maßnahmen getroffen worden, um die in Triest vorhandenen Mängel, wie etwa das Fehlen von Handelsvertretungen, noch zeitgerecht zu beseitigen. Das Problem der Warenbegleitung könnte gleichfalls ge­löst werden, indem die Breslauer Handelsherren aus ihrem Kreise Vertreter mit der Betreuung ihrer Produkte und Interessen auf dem Wege zum und am Jahrmarkt selbst betrauen sollten. Dank der Autorität des Freiherrn von Brunetti gelang es bei der dritten und letzten Zusammenkunft, den Widerstand der Kaufleute soweit zu überwinden, daß Benzoni das Versprechen des Marktbesuches nebst einem Verzeichnis der namhaftesten Breslauer Firmen sowie eine ausführliche Liste der für die Fiera in Aussicht ge­nommenen Waren erhalten konnte. Der Agent versprach seinerseits, die Händler rechtzeitig über die aus Italien nach Triest gelangenden Warensorten sowie auch hinsichtlich des Standes der allgemeinen Jahrmarktvorbereitungen zu informieren. Mit Empfehlungsschreiben Bruneltis ausgestattet, begab sich Benzoni von Breslau in die Zentren der erbländischen Leinenerzeugung Hirschberg, Landshut und Schmiedberg im schlesischen Bergland. Von der Vielfalt und Güte der Produktion wie auch von dem dort angewandten Bleichverfahren zeigte sich der Agent beein­druckt, hinsichtlich der Bereitwilligkeit der Erzeuger und Händler, die in Triest geplante Fiera zu besuchen bzw. zu beschicken, jedoch enttäuscht135. Ihre Haupttä­tigkeit, so führten die Händler im Zuge von Gespräche an, die von den Bürgermei­stern der drei Ortschaften vermittelt worden waren, bestehe in erster Linie im 135 HHStA Wien, Österreichische Akten, Triest-Istrien, Fasz. 9, fol. 308" „La qualità di Telarie di ogni sorte, che si fabrica in questi luoghi è molto considerable“. 80

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