Sonderband 3. „wir aber aus unsern vorhero sehr erschöpfften camergeföllen nicht hernemben khönnen…” – Beiträge zur österreichischen Wirtschafts- und Finanzgeschichte vom 17. bis zum 20. Jahrhundert (1997)
† Peter Gasser: Karl VI., Triest und die Venezianer
Karl VI., Triest und die Venezianer sichtigt gelassen hatte, und sowohl ihm wie auch anderen Experten die aktive Mitwirkung bei der schließlich erfolgten Durchführung nur im beschränkten Umfange zugestanden worden war. Gegen Ende des Jahres 1729 schickte der Kaiser den Agenten des Spanischen Rates Giovanni Stefano de Benzoni zu einer Erkundigungsfahr nach Mähren, Böhmen und Schlesien132. Benzoni hatte die Textilerzeuger und Händler dieser Provinzen über den geplanten Jahrmarkt näher aufzuklären und über ihre diesbezügliche Einstellung einen ausführlichen Bericht zu erstatten. Am 1. Oktober 1729 trat Benzoni seine Reise an, begleitet vom ferraresischen Händler Pietro Bertelli, der wohl von Fortunato Cervelli für diese Mission empfohlen worden war. Benzonis Bericht über seine Entdeckungsfahrt, die ihn nach Brünn, Olmütz, Breslau, Hirschberg, Landshut, Schmiedberg, Reichenbach, Peterwaldau, Glatz, Prag und Oberleutersdorf führen sollte, beschränkte sich nicht auf die Wiedergabe der Verhandlungsgespräche mit den Tuchhändlern und Fabrikanten. Er vermittelt darüberhinaus auch ein anschauliches Bild der Produktionskapazität jener Gebiete. Von den in Mähren gebotenen Möglichkeiten schienen beide Italiener nicht wesentlich beeindruckt. So fanden sie am ersten Etappenziel ihrer Fahrt in Brünn weder Tuchfabrikanten noch einen allzu regen Handelsverkehr vor. Am Exportgeschäft kaum interessiert, beschränkten sich die Brünner Kaufleute auf den lokalen Verkauf der aus Schlesien eingeführten Tuchwaren. In Olmütz lagen die Dinge etwas günstiger. Hier erzeugten Fabriken ein zwar grobes, aber qualitativ recht gutes Tuch. Die produzierten Mengen deckten den örtlichen Bedarf und reichten allenfalls noch zur Beschickung der Märkte in Linz und Bozen, keineswegs aber für Triest aus. In Breslau wurde Benzoni vom Chef der dortigen Regierungsstelle und Vorstand des schlesischen Kommerzdirektoriums, Freiherm von Brunetti, recht wirksam unterstützt. In insgesamt drei Versammlungen setzte Benzoni den Breslauer Kaufleuten anschaulich die Vorteile auseinander, die der künftige Triester Jahrmarkt auch ihnen bringen würde. Erhoffte man sich doch von dieser Fiera die Einleitung eines direkten Handels zwischen den Erblanden und Italien unter Ausschaltung der gegenwärtig nahezu lückenlosen venezianischen Kontrolle133. Der Weg von Breslau nach Triest sei, zugegeben, wohl lang; er führe jedoch über ausgezeichnete Straßen und verlasse, was sicheren Schutz für Ware und Händler bedeute, nie das kaiserliche Hoheitsgebiet134. Immer wieder auf den die Ware verteuernden venezianischen Zwischenhandel hinweisend, demonstrierte der Agent, daß auf einen von Hirschberg nach dem venezianischen Umschlagplatz Chioggia abgehenden Meterzentner schlesischen Leinens an Transport, Zoll und sonstigen Abgaben allein schon 14, 30 Gulden entfallen - ein Betrag, der bei einer über Triest geleiteten Ausfuhr sich auf die 132 HHStA Wien, Österreichische Akten, Triest-Istrien, Fasz. 9, foi. 302-319'. 133 Ebenda, fol. 304' „... per schivare la Mediazione, che tuttavia sussiste delli Sudditi della Republica di Venezia; arbitri sin’ora dell’intiero traffico, che corre fra la Germanie, ed’Italia.“ 134 Ebenda, fol. 304v und 305' „... restando per cio sempre colle persone e mercanzie sotto una sicura protezione ...“. 79