Sonderband 3. „wir aber aus unsern vorhero sehr erschöpfften camergeföllen nicht hernemben khönnen…” – Beiträge zur österreichischen Wirtschafts- und Finanzgeschichte vom 17. bis zum 20. Jahrhundert (1997)
Fritz Prasch: Spuren der österreichischen Industrialisierung in Archiven und Bibliotheken
Spuren der österreichischen Industrialisierung in Archiven und Bibliotheken zum Inhalt und die Zahl der vergessenen, aber seinerzeit privilegierten Neuerungen war größer als die, die eine unabdingbare Stufe der Entwicklungsleiter darstellen. Andererseits lösen einige Erfindungen und Innovationen, diese als „Erneuerungen“ schon bekannter Möglichkeiten, wegen ihrer unveränderten Brauchbarkeit Staunen aus. So die Schiffsschraube Ressels, der Kolben Guggs, der Spannschlüssel Rost- homs, der Pflug Zugmayers und die optischen Leistungen Voigtländers. Die Wichtigkeit des Urheberschutzes als Industrialisierungsinstrument wird in der Privilegienverordnung betont, weil dadurch „ ... auf die Aufmunterung des Erfindungsgeistes, und auf die Belebung der National-Betriebsamkcit günstig ...“ eingewirkt wird. Der normierte Schutz, daß, „ ... jede Anwendung einer nach dem (Eingabe-) Termin gemachten ... Erfindung ... oder Verbesserung als ungültig betrachtet wird“ ist auf höchstens 15 Jahre zu verleihen, wobei „Eingriffe in Privilegien“ mit einer Geldstrafe geahndet werden, die zur Hälfte dem Privilegierten, zur Hälfte dem Armenfonds zukommt43. Zur Beurteilung des Industrialisierungsgrades sind jedoch weder die technische noch die legislative Spur allein tauglich, hier können und sollen Spuren in Bestandsaufnahmen, wie den ausgewählt-demonstrativen Reiseberichten, statistische Zusammenfassungen sowie Firmenangebote in katalogartiger Form herangezogen werden44. 6. Die Familie Burg und Johann Slokar Schon Anton Burg sen. (1767-1849), der 1798 in Wien die älteste Ackerwerkzeugfabrik der Monarchie gegründet hatte, wurde durch die Tätigkeit seines Betriebes bekannt. Das acht Jahre nach seinem Tod von seinem gleichnamigen zweiten Sohn, der die Firma führte, herausgegebene „Maschinen-Verzeichnis“ stellt einen Katalog dar, in dem neben der Produktpalette das Werk des Vaters in Wort und Bild dokumentiert ist. Zwei Pflüge aus dem Burg’schen Sortiment sind hervorzuheben: der Tiroler Bergpflug wegen der höhenverstellbaren Schar und der Kleyle’sche Pflug, ebenfalls mit der mit dem Steichbrett vernieteten Schar und dem eisernen Vorgestell45. Der zuletzt genannte Pflug wurde von Karl v. Kleyle konstruiert, der Güteradministrator bei Erzherzog Karl war. Erzherzog Karl, ebenso wie sein Bruder Kaiser Franz II. (I.) waren an der Förderung industrieller Innovationen sehr interessiert. Eine Zusammenfassung der industriellen Entwicklung im Vormärz verfaßte Johann Slokar in seinem 1914 erschienenen, und auch heute noch gebräuchlichen Standardwerk46. 43 PrivilegienVO 1 820. Präambel §§ 4, 19 und 31. 44 Illustrirtes Ma?chinen-Verzeichnis von A. Burg & Sohn, Ackerbau-Maschinen-Fabri- kanten des k. k. Hofes. Wien 1857. 45 Anhang, Abb. 6, nach: Illustrirtes-Maschinen-Verzeichnis. Nr. 1 und Nr. 14. Karl v. Kleyle (* Wien 1812, t Wien 1859). 46 Slokar: Geschichte der österreichischen Industrie. 145