Sonderband 3. „wir aber aus unsern vorhero sehr erschöpfften camergeföllen nicht hernemben khönnen…” – Beiträge zur österreichischen Wirtschafts- und Finanzgeschichte vom 17. bis zum 20. Jahrhundert (1997)

Fritz Prasch: Spuren der österreichischen Industrialisierung in Archiven und Bibliotheken

Fritz Prasch Wie Kleyle von Erzherzog Karl, so wurde Slokar vom Industriellen Paul von Schoeller gefordert, von dem der Gedanke zu diesem Werk ausging. Eingangs des Buches stellt Schoeller fest, daß „... die wesentlichen Anfänge der Industrie Österreichs mit der Regierungszeit Kaiser Franz I zusammenfallen, daß aber über ... Anfänge sowie über die Entwicklung der In­dustrie ... zu wenig bekannt sei ... “. Dieses Versäumnis konnte Slokar fur die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zum größten Teil nachholen. Obwohl auch er das Wissen um die technischen Voraus­setzungen nur unvollständig verallgemeinern konnte, bleibt seine „Geschichte der österreichischen Industrie“ m. E. die wichtigste Grundlage für die einschlägige hi­storische Bearbeitung. Zur Ergänzung der aus dem „Slokar“ zu gewinnenden Spuren darf man die im Vormärz zahlreich angefallenen Reiseberichte heranziehen. Von den „technisch- wissenschaftlichen Reisen“ des älteren Sohnes des Ackerwerkzeugfabrikanten Adam Burg, gehören zwei Berichte zum Bestand des Archivs der Technischen Universität Wien47, im Umfang von insgesamt über 400 Seiten Text, der durch 26 Zeichnungen erläutert wird. Die Frage, ob die Reiseberichte Burgs allein den Stand der österreichischen Indu­strialisierung zu dokumentieren imstande sind, wird zu verneinen sein. Die Frage, ob sie zu einer solchen Beurteilung neben anderen Zeugnissen heranzuziehen sind, muß bejaht werden. Dazu ist auch noch die Frage, ob die Jahre um 1840/41 einen Einschnitt in der Entwicklung bedeuten, zu beantworten. Die zweite Reise Burgs bietet mit der veralteten Anlage des Goldbergbaus am salzburgischen Radhausberg ein Beispiel für das schon vergangen gewesene Stadium mechanischer Ausstattungen, deren Beschreibungen den Hauptinhalt der Berichte ausmachen. Nicht nur in den Eisenwerken, auch in den vor allem im Bericht 1840 („Burg I“) überwiegenden Textilbetrieben galt das Interesse des Mechanikers Burg den maschinellen Einrichtungen, deren Entwicklungsstand an zwei Beispielen ge­zeigt werden kann. Die beiden Schalen des Lagerständers (Textilfabrik Offermann in Brünn) entsprechen ebenso wie der geschaffene Sitz des Dampfhahns (Hüttenwerk Blansko) Ausführungen wie sie noch in Maschinenfabriken nach dem Zweiten Welt­krieg in Verwendung standen. In der Mehrfachbearbeitung der Eisenbahnschienen (Hüttenwerk Frantschach in Kärnten) wird die Idee der Rationalisierung deutlich48. Von den 58 auf beiden Reisen besuchten Firmen waren nur 14 Textilbetriebe, 11 sind zu der chemischen Industrie, inkl. Papier- und Nahrungsmittelerzeugung, zu zählen. Die Mehrzahl von 33 Fabriken ist der Hütten- und Maschinenindustrie zuzu­rechnen. Eine Ergänzung aus der Bautechnik stellt die Beschreibung der 1840 im Bau befindlichen Prager Kettenbrücke dar. Berichte über die von dem Professor am k. k. polytechnischen Institute in Wien, Adam Burg, 1840 auf Staatskosten ausgefuhrte technisch-wissenschaftliche Reise durch Mähren, Böhmen und Schlesien [in Hinkunft: Burgs Reise 1840], Anhang, Abb. 7, nach: Burgs Reise 1840, Blatt 1; und Abb. 8, nach: Burgs Reise 1841, Blatt XII. 146

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