Sonderband 3. „wir aber aus unsern vorhero sehr erschöpfften camergeföllen nicht hernemben khönnen…” – Beiträge zur österreichischen Wirtschafts- und Finanzgeschichte vom 17. bis zum 20. Jahrhundert (1997)

Fritz Prasch: Spuren der österreichischen Industrialisierung in Archiven und Bibliotheken

Fritz Prasch Diese Erzeugnisse waren ein Teil der Palette der „Gablonzer Industrie“, zu deren berühmtesten der Glasschmuck gehörte. Dabei ist immer wieder der Name Riedel als besonderer Repräsentant zu lesen40. Wieweit jedoch diese sehr stark mit dem Ver­lagssystem arbeitenden Produzenten als „Industrielle“ im technisch-organisato­rischen Sinn zu betrachten sind, ist m. E. nicht unstrittig, in ihrer Bedeutung für die Wirtschaft der Monarchie waren sie auf jeden Fall unumstritten. Die 6 000 Wiener Privilegien erschöpfend zu beschreiben, würde nicht dem The­ma dieser Arbeit entsprechen. Auf eine wichtige Unterscheidung, die anerkannte bzw. strittige Priorität ist unbedingt näher einzugehen. 5. Die Prioritäten Anerkannt ist die Priorität des schon beschriebenen Privilegiums für Senefelder, ebenso wie die für das Privilegium für die Ressel’sche Schiffsschraube41. Weitere anerkannte Prioritäten werden den folgenden Erfindungen zugeschrieben: für eine Luft- und Dampfpumpe erhielten Ellard Romershausen und Alois Freiherr von Königsbrunn die Privilegia Nr. 625 und Nr. 626 vom 3. September 1822. Die Erfinder nannten ihre mit zylindrischen „luftdichten Röhren“ und „Wellhähnen“ ausgestatteten Konstruktionen „pneumatische Maschinen“, die als Gebläse, Ventila­toren, Wasserhebemaschinen und sogar als „Lötrohr für Metallarbeiter und Glasblä­ser“ verwendet werden konnten. Weiters genossen der mit Priv. Nr. 2921 vom 10. Jänner 1841 geschätzte Funkenfänger für holzgefeuerte (!) Lokomotiven des Traugott Meiszner und die mit Privilegium Nr. 4828 vom Juni 1844 geschützte „Verbesserung des bisherigen Bohrverfahrens“ des Carl Gotthelf Kind die urheber­rechtliche Priorität. Nicht in der Prioritätenliste bei Grünner sind die Privilegia Nr. 1318 und Nr. 1869 vom 29. März 1830 angeführt, die der Firma Sellier & Beilot in Prag für deren neue Pressen für Zündhütchen verliehen wurden. Gerade diese Firma wird als erfolgrei­cher Industriebetrieb, dessen Erzeugnisse im In- und Ausland gefragt waren, ge­nannt, während über die oben angeführten Firmen keine Produktionszahlen vorlie­gen42. Den Prager Betrieb besuchten der Professor am Wiener Polytechnikum Adam Burg und sein Assistent und Begleiter Moriz Schröter anläßlich ihrer technisch- wissenschaftlichen Reise 1840. Die Berichte darüber und über die Reise 1841 geben einen Einblick in die Ausstattung und die Produktionszahlen österreichischer Betrie­be zu einer Zeit, zu der der Übergang vom Handwerk zur Fabrik in der Monarchie ohne jegliche Revolution im vollen Gange war. Hier ergibt sich eine weitere Priorität, nämlich die der Wichtigkeit der bereits auf wissenschaftlicher Grundlage erarbeiteten Verbesserungen und Neuheiten für den Prozeß der Industrialisierung. Nicht jedes Privileg hatte eine genutzte Erfindung S1 o k a r : Geschichte der österreichischen Industrie, S. 505, 529 und 531. Grünner : Die Privilegien der Technischen Hochschule Wien, S. 13 f. S1 o k a r : Geschichte der österreichischen Industrie, S. 509 und 573. 144

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