Sonderband 3. „wir aber aus unsern vorhero sehr erschöpfften camergeföllen nicht hernemben khönnen…” – Beiträge zur österreichischen Wirtschafts- und Finanzgeschichte vom 17. bis zum 20. Jahrhundert (1997)

Fritz Prasch: Spuren der österreichischen Industrialisierung in Archiven und Bibliotheken

Spuren der österreichischen Industrialisierung in Archiven und Bibliotheken generalisierende Begriffe, wie „Eisenstraßen“, „bewegt mit Dampfmaschinen“, bzw. „mit Wasserrädern“ weitere Neuerungen blockiert. Ein solcher Inhalt ist eher als Programm zu sehen, denn als Antrag auf Urheber­schutz fur ein bestimmtes Produkt, betrifft doch die Fassung ein neues System des Landverkehrs. Unstreitig ist, daß Gerstner damit eine Spur sowohl des auf Erneue­rung gerichteten Denkens, als auch der in Österreich bis heute geübten Vorsicht gegenüber Neuerungen gezeigt hat, letzteres indem er mehrere Antriebsmöglichkei­ten offenließ, ohne einer den Vorzug zu geben. Wenige Jahre nach dem Privilegium wurde der Bau als Pferdebahn begonnen. Eine völlig andere Absicht verfolgte Johann Friedrich Voigtländer (1779-1859), Sohn eines aus Sachsen eingewanderten Tischlers, der 1815 ein Privileg auf seine „periskopischen Gläser“ erhielt36. Sein Sohn übersiedelte 1849 nach Braunschweig und gründete die weltbekannte Firma, deren Spitzenprodukte erstklassige Fotoappa­rate waren. Die im Privileg Nr. 4 dargelegte Erfindung beruhte auf der neuen Anordnung der Mittelpunkte der Krümmungshalbmesser auf derselben Seite der zu schleifende Lin­se. Dabei erhält das Brillenglas „... eine dem Auge angemessene Figur ..." und „... die Erfahrung bestätigt, (daß) ... Personen, welche sich periskopischer Gläser bedienen, ... nie wieder zu gewöhnlichen zurückkehren ...“. Heute werden diese Brillengläser nur mehr als Sonderanfertigung erzeugt37. Das andere, dem bekannten Optiker in Wien erteilte Privileg, betraf ein „Doppel- Theater-Perspectiv“, also den frühen Vorläufer des „Opernguckers“38, der das Mono­kular, für das nur ein Auge verwendet wurde, ablöste. Durch die „ ... genaue Parallelstellung ... zweier Fernrohren sieht man ... deutlicher und heller ..., die Augen werden weniger angestrengt und fur Personen, die nur ein Auge nicht schließen können ..., ergibt sich ein größeres Sehfeld mit stärkerer Vergrößerung Das insgesamt vierte Privileg aus der Wiener Sammlung wurde 1803 dem Fabri­kanten Anton Oberhäuser für eine neue „Plattirungs-Art“ samt Maschinen erteilt39. Sehr umständlich wird das Versilbern der Oberfläche von Schnallen und anderen Galanteriewaren beschrieben, wozu die neuen Maschinen, eine „Guillochier-“ und eine „Bug- oder Krümmaschine“ für die Vorbereitung zu verwenden waren. Die „... ohne einen einzigen Hammerschlag ...“ gekrümmten Schnallen erhielten ihre Façon durch einen spindelgetriebenen Dorn, die Muster auf der Metalloberfläche drückte der Gravurstift der Guillochiermaschine ebenfalls durch einen Spindelan­trieb ins Material. Oberhäuser war eine der Firmen, die zur Vervollkommnung der Gold- und Silberwaren beitrugen, sodaß die Wiener neben den Prager Fabrikaten spätestens ab 1830 den französischen Produkten keineswegs nachstanden. 30 TUWA, Priv. Nr. 4. 37 Mitteilung durch Fa. Optik Binder, Wien IX. 38 TUWA, Priv. Nr. 983. 39 TUWA, Priv. Nr. 114. 143

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