Sonderband 3. „wir aber aus unsern vorhero sehr erschöpfften camergeföllen nicht hernemben khönnen…” – Beiträge zur österreichischen Wirtschafts- und Finanzgeschichte vom 17. bis zum 20. Jahrhundert (1997)

Fritz Prasch: Spuren der österreichischen Industrialisierung in Archiven und Bibliotheken

Fritz Prasch Als innovative Ideen behalten sie ihren technikgeschichtlichen Wert, wie auch am Bastardkolben gezeigt werden kann. Sein Salzburger Erfinder Franz Xaver Gugg lernte, wie später der Wiener Adam Burg, den väterlichen Beruf eines Glockengießers und komite sich ab 1818 durch verschiedene Verbesserungen einen gewissen, über Salzburg reichenden Ruf erwer­ben. 1840 trat er bei der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn ein, wechselte zur Staatsbahn und starb 1857 in Salzburg. Der von ihm konstruierte Kolben enthält bereits alle Merkmale, die noch heute an diesem Maschinenteil zu finden sind, wie die Nut zur Verteilung der Schmierflüssigkeit, die Gleitringe und die Lederdichtung. Biogra­phisch dokumentiert ist Gugg nicht als Konstrukteur, sondern als Eisenbahner der frühesten Zeit”. Einen Meilenstein nicht nur in der Technikgeschichte Österreichs, sondern auch in der Modernisierung der landwirtschaftlichen Entwicklung von manueller Plage zur Mechanisierung stellt der Zugmayer’sche Pflug dar. Er teilt nicht das Schicksal anderer Schöpfungen einheimischer Protagonisten, die mangelnde Publizität wird jedoch über die Grenzen der Monarchie hinaus nicht genannt, Severin Zugmayer erwirkte 1812 die „Fabriksbefugnis“ zu Waldegg im Piestingtalin Niederösterreich und übernahm 1817 den dortigen Eisen- und Kupferhammer, dessen Kapazität er nach drei Jahren durch ein Walzwerk erhöhte. 1818 brachte er seinen „neuen Pflug“ heraus, für den er 1827 ein Privileg erhielt. Wie Abb. 5 im Anhang zeigt, daß der Grindel (Teil a) und die Sterze (die Handgriffe, Teile b) nach wie vor aus Holz wa­ren, ergab sich als kalkulatorisches Resultat, nicht aus Rückständigkeit. Die bean­spruchten oder der besseren Handhabung dienenden Bestandteile aus „geschmittem Eisen“ garantierten einen um ein Drittel geringeren Kraftaufwand der Zugtiere und verhinderten das „Anhängen“ der Ackererde an die Schar und das Streichbrett, die miteinander und mit der „Hauptsäule“ vernietet waren. Mittels der Schraube „g“ konnte die Pflughöhe verstellt werden, was neben den anderen Vorteilen dem Zug­mayerpflug eine „vorzügliche Brauchbarkeit“ verlieh”. In der ersten Dekade nach dem Wiener Kongreß ist das Ansuchen des Erbauers der ersten Schienenbahn der Monarchie, Franz Anton von Gerstner, aus dem Jahre 1822 registriert* * 35, mit dem der Sohn des Prager Universitätsprofessors Franz Josef von Gerstner „... die Verbindung der Moldau mit der Donau auf eine möglichst wohlfeile und schnelle Art ... bewirken“ möchte. In einer ausführlichen Weise emp­fiehlt Gerstner eine Schienenbahn, auf der mit wasserradgetriebenen Seil- oder Ket­tenzügen bewegte Wagen verkehren sollen. Wegen der häufigen Steigungen sei die reichlich vorhandene Wasserkraft das geeignete Antriebsmittel, das gegebenenfalls durch Dampfmaschinen, aber auch durch (Pferde) Göpel ersetzt werden könne. Dieses Privilegium fallt insofern aus der Rolle, als es einerseits keine technischen, durch Beschreibung und Zeichnung präzisierten Details enthält, andererseits durch TUWA, Priv. Nr. 2553. P r a s c h : Generaldirektion der österreichischen Staatsbahnen, S. 33. Anhang, Abb. 5 nach: TUWA, Priv. Nr. 2298. Koren, Hanns: Pflug und Art Salzburg 1950, S. 49. TUWA, Priv. Nr. 892. 142

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