Sonderband 2. International Council on Archives. Dritte Europäische Archivkonferenz, Wien 11. bis 15. Mai 1993. Tagungsprotokolle (1996)
3. Session / Séance. Sharing of Experience and Exchange of Staff / Partage d’Expériences et Echange des Personnes - Discussion / Interventions
3. Session/Séance: Discussion - Interventions Ost/West-Kategorisierung entzieht, im Gegensatz etwa zum Bundesarchiv in Koblenz. Es ist also keine westliche Einrichtung, und auch keine östliche Einrichtung, sodaß Sie mich jetzt fragen müßten: „Wie ist es mit der Mobilität innerhalb Ihrer eigenen Behörde bestellt?“ Gut, die Mobilität ist zufriedenstellend. Sie müssen nämlich davon ausgehen, daß in der ehemaligen DDR im Grunde jeder Erwachsene arbeitete und es den Beruf Hausfrau nicht gab. Bevor Sie also über Mobilität urteilen, müssen Sie sich vergegenwärtigen, daß Sie immer eine Stelle für zwei anderswo finden müssen, wenn Sie wirklich Mobilität wollen, ohne sozialen Schaden anzurichten. Aus diesem Grund ist es daher ganz beachtlich, daß bereits sieben Archivare aus der ehemaligen DDR heute Dienst im Bundesarchiv in der alten Bundesrepublik verrichten. Umgekehrt sind es drei und dabei kann ich nun das statistische Bedürfnis auch gar nicht befriedigen, weil das Filmarchiv, das früher in Ostberlin war, heute mit allen Ostberliner Mitarbeitern in Westberlin ist. Da ist die deutsche Einheit fertig Was die fünf „Beitritts-Länder“ betrifft, so haben wir dort leider nur eine Bewegung von West nach Ost, stärker an der Spitze, von Ost nach West seltener oder gar nicht an der Spitze. Das kann man aber auch nur dann richtig verstehen, wenn man weiß, daß die Kultusministerkonferenz, also der Zusammenschluß der zuständigen Minister - der Bund hat dort nichts zu sagen - erst im Frühjahr 1992 eine Entscheidung über die Anerkennung der DDR-Diplome getroffen hat. Und wenn Sie das berücksichtigen, dann ist auch dort der Personalaustausch in Gang gekommen. Der große Vorteil im Archivwesen gegenüber der öffentlichen Verwaltung allgemein ist, daß es sich in allen Fällen um Kolleginnen und Kollegen handelt, die auf Dauer versetzt worden sind und eben nicht Sonntag abends mit dem letzten Zug ankommen und Freitags mit dem erstmöglichen Zug „nach Hause“ zurückfahren. So ist es in der allgemeinen öffentlichen Verwaltung und insoweit würde ich die Mobilität als im Ganzen befriedigend, aber durchaus verbesserungsbedürftig bezeichnen. Angelika Menne-Haritz: In der Archivschule Marburg hat sich die Kooperation eigentlich sofort eingestellt. In dem Kurs, der vor zwei Jahren begonnen hat und im April zu Ende ging, waren von insgesamt 37 Teilnehmern fünf Teilnehmer aus den neuen Bundesländern, dabei waren allerdings nur zwei, die in der ehemaligen DDR ihren Universitätsabschluß gemacht hatten. Drei Absolventen kamen aus den westlichen Bundesländern und sind für die Ausbildung in die östlichen Bundesländer umgesiedelt und haben jetzt nach Beendigung des Kurses Anstellungen in den neuen Bundesländern angenommen. Außerdem sind noch weitere Absolventen dieses Kurses in die neuen Bundesländer auf Anfängerstellen in dortigen Staatsarchiven gegangen. Für den nächsten Kurs, der im November beginnt, sind wiederum Kollegen, Referendare, aus den neuen Bundesländern angemeldet, und zudem arbeiten wir auch auf der Ebene der universitären Ausbildung mit den neuen Bundesländern zusammen. Ich will damit sagen, daß im Bereich der Ausbildung sich dort ganz natürlich der Prozeß entwickelt hat, daß alle Bundesländer, auch die neuen, sich an der gemeinsamen Ausbildung in Marburg beteiligen (ausgenommen Bayern, aber das ist 314