Sonderband 2. International Council on Archives. Dritte Europäische Archivkonferenz, Wien 11. bis 15. Mai 1993. Tagungsprotokolle (1996)
3. Session / Séance. Sharing of Experience and Exchange of Staff / Partage d’Expériences et Echange des Personnes - Discussion / Interventions
3. Session/Séance: Discussion - Interventions politische Konflikte, die nicht offen angesprochen wurden, die aber dazu führten, daß wir in alphabetischer Reihenfolge der Länder unsere Meinung zu sagen hatten. Es ging nach französischem Alphabet, also kam ich als erster an die Reihe und nahm mir die Freiheit einen Augenblick nachzudenken. Das war dem Vorsitzenden unheimlich und er sagte mir, Deutschland - auf Deutsch, worauf ich mich entschied, englisch zu sprechen: „Mr. President, the name of my country, I even know in French, but I might have the right to think over before speaking.“ Und dann sagte ich, daß es meiner Auffassung nach - Ausnahmen bestätigen die Regel - unsinnig sei, fnventare in anderen Sprachen als in der Sprache der Akten, der Archivalien zu veröffentlichen. Auf den Zwischenruf „Including Dutch?“ konnte ich nur antworten: „Of course, including Dutch! ff you don’t know any Dutch, it does not make any sense to consult any Dutch written records.“ Und danach hieß es immer Jusqu’à la proposition allemande“. Danach wurde die Frage diskutiert, in welcher Sprache die Einleitungen zu den fnventaren geschrieben werden sollten: ich sagte aus voller Überzeugung: „In Englisch und Französisch“. Darauf sprang ein griechischer Professor auf und sagte, er könne ja nicht Deutscher sein als die Deutschen selbst und er weise darauf hin, daß auf dem Balkan die gebildeten Leute Französisch und Deutsch- nicht Englisch - sprechen, worauf ich bemerkte, daß man doch die Sprache des Computers nicht unbedingt bei der Veröffentlichung von Inventaren ausschließen sollte. Dieser Einwand führte dazu, daß Charles Kecskeméti nichts anderes als Lösung anbieten konnte als „subcommitee, of course“. Die Lösung des Subkomitees lautete letztlich salomonisch: „zwei der drei Sprachen“. Ich will hier keine Heiterkeitserfolge landen, ich betone aber noch einmal: Ich bin sicher, daß wir Übersetzungen in vielen Bereichen brauchen, aber nicht bei Archiv-Inventaren. Ivän Borsa: Etwas ganz Praktisches zur Frage von Übersetzungen. Wir haben heute nachmittags zwei sehr interessante Referate gehört und es wäre sinnvoll, beide ins Ungarische zu übersetzen. Hier stellt sich die Frage nach dem Copyright, wer gibt uns die Erlaubnis, diese Texte zu übersetzen und zu veröffentlichen. Leopold Auer: Das ist eine sehr wichtige Frage. Vom rechtlichen Standpunkt aus könnte man wahrlich ein Kunstwerk daraus machen. Als praktische Lösung würden wir als Veranstalter vorschlagen (vorausgesetzt, alle Vortragenden sind damit einverstanden), daß die Übersetzung in andere Sprachen völlig frei ist. Die Akten dieser Konferenz werden von den Veranstaltern in Englisch und Französisch- die Wortmeldungen in der Diskussion im „Originalton“ - veröffentlicht; jede andere Übersetzung ist von unserer Seite, unter Hinweis auf die Erstveröffentlichung, frei, wenn seitens der Vortragenden kein Einwand erfolgt. Eine Diskussion über die rechtliche Seite sollten wir uns hier jedenfalls ersparen. Klaus Oldenhage: Ich stimme Ihnen, Herr Auer, hier ohne Einschränkung zu. Darüberhinaus besteht m. E. hier keine Möglichkeit, rechtliche Probleme aufzuwerfen, denn wenn wir es ganz formal nehmen, ist dies hier eine gemeinsame Veranstaltung des Österreichischen Staatsarchivs und des Internationalen Archivrats, und es ist üblich, daß ein Redner dem Veranstalter seinen Vortrag überläßt. Damit gibt er seine Urheberrechte nicht auf, läßt aber zu, daß der Veranstalter seinen Vortragstext 277