Jürgen Pohl: Sonderband 1. „Die Profiantirung der Keyserlichen Armaden ahnbelangendt” – Studien zur Versorgung der kaiserlichen Armee 1634/35 (1989)
B2 Die Ernährung in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges - Ackerbau
Wolfgang Pohl gezahlt wurden. Es war dabei belanglos, ob ein ,wüstes’ Gehöft, dessen Inhaber die Steuerzahlung eingestellt hatte, noch bewohnt oder bewirtschaftet wurde oder ob es völlig zerstört war. Im gleichen Sinne lag auch ein Stück Ackerland nur dann wüst, wenn die darauf ruhende Zinsleistung nicht mehr geliefert wurde; es spielte dabei keine Rolle, ob die Parzelle weiterhin intensiv bearbeitet wurde oder mit wildem Buschwerk überzogen war7.“ Aus der Menge der Anbauflächen, die noch während des Krieges als wüst bezeichnet wurden, kann also nicht geschlossen werden, daß hier Bauern ihre Höfe oder Dörfer verlassen hatten bzw. vertrieben oder tot waren. Eine Gliederung des Bodens nach der Bodennutzung ist nur sehr schwer möglich, da darüber genauere Angaben fehlen. Auch die Einzelangaben lassen keine weiterreichenden Schlußfolgerungen zu, da die Anbaumethoden einem häufigem Wechsel unterworfen waren. Es läßt sich jedoch sagen, daß im südlichen Teil Deutschlands wohl vor allem die Dreifelderwirtschaft und die Feldgraswirtschaft8 vorherrschten, während in anderen Teilen Deutschlands auch andere Formen der Mehrfelderwirtschaft zur Anwendung kamen bis hin zur Siebenfelderwirtschaft, so daß die Dreifelderwirtschaft nur als eine Sekundärform der Mehrfelderwirtschaft betrachtet werden kann. Die Früchte, die auf den Feldern angebaut wurden, sind: Weizen (mit einigen Unterarten, vor allem Dinkel), Roggen, Gerste (mit einigen Unterarten) und Hafer, des weiteren noch Hirse, Buchweizen, Einkorn und Mais. Für das Wintergetreide wurde das Fand zum ersten Mal im Juni gepflügt („Brachmond“) und zum zweiten Mal kurz vor dem Erntetermin des Sommergetreides umgebrochen, wobei auch der Mist mit untergepflügt wurde. Zum dritten Mal sollten gute Bauern bald nach der Sommerernte den Acker mit einem llakengerät in Uängs- und Quer- richtung durchschneiden, und zum vierten und letzten Mal wurde etwa um Michaelis (29.9.) kurz vor der Aussaat gepflügt, diesmal so, daß erhabene Beete entstanden. Bei der Sommersaat lagen diese Bearbeitungstermine im Oktober, November und im Frühjahr, wobei die Termine im Frühjahr auch manchmal ausgelassen wurden. 7) Born, Martin, Wandlung und Beharrung ländlicher Siedlung und bäuerlicher Wirtschaft, Untersuchungen zur frühneuzeitlichen Kulturlandschaftsgenese im Schwalmgebiet. I. d. B.: Marburger Geographische Schriften. Hg. v. C. Schott u. a., Heft 14. Marburg 1961, S. 56 f. 8) Dreifelderwirtschaft: Abwechselung von Sommergetreide, Wintergetreide und Brache. Feldgraswirtschaft: Abwechselung von Getreideanbau und Nutzung als Weidefläche. 48