Jürgen Pohl: Sonderband 1. „Die Profiantirung der Keyserlichen Armaden ahnbelangendt” – Studien zur Versorgung der kaiserlichen Armee 1634/35 (1989)
B2 Die Ernährung in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges - Ackerbau
Studien zur Versorgung der Kaiserlichen Armee 1634/35 zu berichten: „Das Brot der frühen Neuzeit hatte sich in den meisten deutschen Landschaften gegenüber dem Spätmittelalter wenig verändert. Im größeren Teil Deutschlands herrschte das Roggenbrot vor; Weizen wurde seltener verbacken, allenfalls ein Gemisch aus Roggen- und Weizenmehl. In Südwestdeutschland wurde auch Dinkel (triticum spelta) angebaut und als Brotgetreide verwendet. Hafer und Gerste wurden wohl nur in Notjahren herangezogen. Ob das Brot eine bessere Qualität gewonnen hatte, muß dahingestellt bleiben. Im Spätmittelalter war die Mehlausbeute vom Korn erstaunlich gering gewesen4 5.“ Doch diese Zusammenstellung des damaligen Speisezettels soll nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Ernährung nicht allzu reichlich war, ja, daß es häufig Zeiten des Hungers gab. Während z. B. ein Maurergeselle in Augsburg zu Beginn des 16. Jahrhunderts das 1,5-fache des Mindestbedarfes1 seiner fünfköpfigen Familie verdiente, so war es einhundert Jahre später nur noch das 0,7-fache. Damit einher geht eine Umstellung der Ernährung. Am Ende des Spätmittelalters wurde sehr viel Fleisch gegessen. Abel schreibt dazu: „Man greif! kaum fehl, wenn man den Fleischverzehr im spätmittelalterlichen Deutschland auf über 100 kg [pro Jahr] je Kopf der Bevölkerung schätzt6.“ Dieser hohe Fleischverbrauch ging im Verlauf des 16. Jahrhunderts stark zurück und wurde durch pflanzliche Nahrung ersetzt. Der Grund dafür wird auch im Ansteigen der Bevölkerung zu finden sein, da bei gleicher Fläche die Produktion pflanzlicher Nahrung wesentlich ertragreicher ist als die Tierzucht. ACKERBAU Über die gesamte Größe der Anbaufläche im Reich liegen keine exakten Zahlen vor. Der damalige Anteil des Waldes und der Wüstungen an der gesamten Fläche ist nicht bekannt. In diesem Zusammenhang muß darauf hingewiesen werden, daß entgegen dem heutigen Sprachgebrauch die Bezeichnung „wüst“ nicht heißen muß, daß dieses betreffende Stück I^and nicht bearbeitet wird beziehungsweise nicht bewohnt ist. Martin Born erklärt dies folgendermaßen: „Ein Bodenobjekt wurde dann wüst genannt, wenn die auf ihm lastenden Abgaben nicht mehr oder nur noch in verminderter Höhe 4) Abel, Wilhelm, Stufen der Ernährung, S. 36. 5) vgl. Abel, Wilhelm, Massenarmut und Hungerkrisen im vorindustriellen Deutschland. Göttingen 1972, S. 24 f. 6) Abel, Wilhelm, Massenarmut und Hungerkrisen, S. 64. 47