Jürgen Pohl: Sonderband 1. „Die Profiantirung der Keyserlichen Armaden ahnbelangendt” – Studien zur Versorgung der kaiserlichen Armee 1634/35 (1989)

B Der Rahmen - B1 Das Heer - Historischer Abriß

Studien zur Versorgung der Kaiserlichen Armee 1654/35 werden als dessen Nachfolger Matthias Graf Gallas, Johann Graf von Al- dringen, Don Balthasar de Maradas, Ottavio Graf Piccolomini und Ru­dolf von Colloredo genannt. Diese sind es, die dem Kaiser in der dama­ligen Situation als loyal erschienen. Nach der Absetzung und dem Tode Wallensteins dauerte es einige Zeit, bis die kaiserliche Armee wieder komplett durchorganisiert und ein­satzfähig war. Diese Zeit nutzte die protestantische Seite nicht für einen neuerlichen Angriff. Die Gründe für dieses eher ungeschickte Verhalten werden unten weiter ausgeführt. Auf der anderen Seite rüstete der Kai­ser jedoch auf, wobei ihm die spanischen Unterstützungstruppen sehr zur Hilfe kamen. Er machte auch zunächst keinerlei Anstalten, die von Wallenstein begonnenen Verhandlungen mit Kursachsen fortzusetzen. Die Situation auf der schwedischen Seite wird von Schormann be­schrieben: „Im selben Monat [Februar 34] schickte Oxenstierna einen Bericht an den Beichsrat in Stockholm, darin wurde über den Stand der Dinge in Deutschland nüchtern Bilanz gezogen. Im Gegensatz zur mili­tärischen Situation verschlechterte sich die politische Position Schwe­dens zusehends. Der Heilbronner Bund war kriegsmüde und vor allem zahlungsunwillig. Die Generalstaaten und die Pfalz trugen sich mit dem Plan, eine eigene Armee aufzustellen, um von den Schweden unabhän­gig zu werden. Das große Frankreich zeigte sich eifersüchtiger denn je, und die feindselige Haltung von Brandenburg und Sachsen schlug sich in Geheimverhandlungen mit dem Kaiser nieder. Als ob dies alles noch nicht genug wäre, mußte der Beichskanzler auch noch Schwierigkeiten mit den eigenen Heerführern feststellen, besonders mit dem schon im­mer eigensinnigen Bernhard v. Weimar2.“ Die Heerführer auf der protestantischen Seite, Horn und Bernhard von Weimar, konnten sich nicht über eine gemeinsame Operation ver­ständigen, und so wählte sich jeder ein eigenes Operationsgebiet, wo­durch die Streitkräfte natürlich zersplittert und also geschwächt wur­den. Horn wandte sich nach Oberschwaben und belagerte Überlingen (24.4.-26.5), um die Kontrolle über den Bodensee zu erlangen, aller­dings ohne Erfolg. Bernhard dagegen zog nach Franken. Am 7. April trat in Frankfurt am Main der Konvent der evangelischen Kreise unter dem Vorsitz des schwedischen Kanzlers Axel Oxenstierna zusammen. Nach einigem Zureden hatte sich auch Kursachsen bereit­gefunden, an dieser Konferenz teilzunehmen. Es sollte vor allen Dingen um die weitere Finanzierung des Krieges sowie um die Befriedigung der Gebietsansprüche Schwedens gehen, außerdem darum, ob Frankreich 2) Gerhard Schormann, Der Dreißigjährige Krieg, Göttingen 1985, S. 50. 19

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