Jürgen Pohl: Sonderband 1. „Die Profiantirung der Keyserlichen Armaden ahnbelangendt” – Studien zur Versorgung der kaiserlichen Armee 1634/35 (1989)
B Der Rahmen - B1 Das Heer - Historischer Abriß
Woli'gang Polli als Gegenleistung für seine Unterstützung mit der Überlassung einiger Festungen entschädigt werden sollte. Der kursächsische Gesandte versuchte durchzusetzen, daß auch weiterhin mit der kaiserlichen Seite über den Frieden verhandelt werden sollte, konnte sich damit aber nicht durchsetzen. Bei der Beratung über Gebietsüberlassungen an Schweden war zunächst eine Einigung sehr schwierig, und es kam zu langwierigen Verhandlungen, die erst durch die Niederlage der Protestanten in der Schlacht von Nördlingen am 5./6. September beschleunigt wurden. Knapp zehn Tage später hatte man sich dann auf ein Bündnis geeinigt, in dem Schweden sich mit einer allgemeinen Zusicherung seiner Entlohnung zufrieden gab und nicht mehr auf der ausdrücklichen Zusicherung Pommerns beharrte; dagegen war nun Kursachsen zu einem Bündnis unter schwedischer Vorherrschaft bereit. Frankreich bekam nach ebenfalls langen Verhandlungen die Festung Philippsburg zugesprochen. Währenddessen wurde die kaiserliche Armee reorganisiert. Die Armeen Ferias und Aldringens hatten in den Strapazen des Winters so stark gelitten, daß sie praktisch nicht mehr einsatzfähig waren. Das Oberkommando hatte Kaiser Ferdinand II. seinem Sohn Ferdinand 111. übertragen, dem - wegen dessen Unerfahrenheit - der Feldherr Graf Gallas als militärischer Berater zur Seite gegeben wurde. Dessen Ernennung wurde am 27. April den Obersten bekanntgegeben. Die Armee wurde am 22. Mai bei Pilsen gemustert. Es war die Entscheidung getroffen worden, in diesem Jahr den größten Teil der Armee auf den südlichen Kriegsschauplatz zu verlegen. In der letzten Maiwoche vereinigte sich das von Ferdinand III. geführte Heer bei Donaustauf mit dem recht schwachen bayerischen Heer unter Aldringen. Ferdinand III. begab sich nun mit insgesamt 30.000 Mann nach Regensburg, um diese von Bernhard von Weimar besetzte Stadt zu belagern. Dieser verließ die Stadt und vereinigte sich am 12. Juli bei Augsburg mit Feldmarschall Horn, und das gesamte Heer mit nunmehr 22.000 Mann erstürmte Landshut, wobei auf kaiserlicher Seite Graf Aldringen tödlich verwundet wurde. Am 30. Juli wurde Begensburg von den Kaiserlichen erobert. Nach der Einnahme Regensburgs zog die kaiserliche Armee donauauf- wärts und folgte so dem vor ihr zurückweichenden feindlichen Heer. Für einen direkten Angriff fühlte sich Gallas jedoch zu schwach, und so beschränkte er sich darauf, dem feindlichen Heer bis nach Nördlingen zu folgen, das von den schwedischen Wuppen besetzt war. Dort erreichte ihn dann die erwartete Verstärkung der spanischen Hilfstruppen aus Italien, mit denen er sich am 2. September vereinigte. Das gemeinsame Heer belief sich nun auf 36.000 Mann. 20