Schiriefer, Andreas: Deutsche, Slowaken und Magyaren im Spiegel deutschsprachiger historischer Zeitungen und Zeitschriften in der Slowakei - Interethnica 9. (Komárno, 2007)

4 Quellen- und medienkritische Erläuterungen

Potemra meint an den Zeitungen in Preßburg und Kaschau die Entwicklungen in der Ära des Bach-Absolutismus ablesen zu können.142 Die Preßburger Zeitung habe sich vollkommen in den Dienst der Wiener konterrevolutionären Regierung gestellt und leugnete die liberale Linie der eigenen Redaktion in den Jahren 1840-1848. In der nationalen Frage habe sie einen verhältnismäßig objektiven Standpunkt eingenommen, wenngleich man sich doch auch die nationalen Differenzen in Ungarn zur Schwächung der Revolution der ungarischen arbeiten­den Masse zunutze gemacht habe. In Kaschau könne man in Werfers Kundschaftsblatt ähnliche Tendenzen verfolgen. 4.3 „Ungarisches Magazin“ Im Jahr 1781 rief Karl Gottlieb Windisch als Redakteur die Zeitschrift mit dem Titel „Ungarisches Magazin oder Beyträge zur vaterländischen Geschichte, Erdbeschreibung und Naturwissenschaft" (1781-1787) ins Leben.143 Als Herausgeber und Drucker fungierte Anton Löwe in Preßburg. Das Blatt erschien vierteljährlich als enzyklopädische Zeitschrift, die sich heimatkundlichen Fragen widmete, später auch der Belletristik. Windisch brachte darin Beiträge, die zuvor schon im „K.k. privilegirten Anzeiger“ (Wien, Daniel Tersztyänszky) veröffentlicht wurden. In den Jahren 1781-1784 ist eine enge Zusammenarbeit Windischs mit Daniel Cornides, dem späterem Professor für Diplomatik und Heraldik an der Budaer Universität nachzuweisen, mit dem er den Inhalt jeder Nummer besprach. Die Zeitschrift wurde auch im Ausland gelesen, musste jedoch allmählich Hindernisse überwinden, so dass der dritte Jahrgang, die vierte Nummer, erst 1784 und der vierte und letzte mit großen Schwierigkeiten erst 1787 herauskam. Réz unterstellte dem Blatt aufgrund Windischs Vorliebe für Geographie und Geschichte ein „ziemlich einseitiges Gepräge“, wenngleich er dennoch bescheinigte, dass es die „bedeutendste deutsche Zeitschrift bis zur Jahrhundertwende in Ungarn"144 gewesen sei. Windisch versammelte in seiner Zeitschrift alle deutschen Schriftsteller aus Ungarn. Meier weist auf ein Hauptanliegen Windischs mit seiner Zeitschrift hin, nämlich das Lesepublikum mit Ungarn vertraut zu machen. Eine Fortsetzung fand das Ungarische Magazin in der Zeitschrift „Neues Ungarisches Magazin oder Beyträge zur ungrischen Geschichte, Geographie, Naturwissenschaft und der dahin einschlagenden Literatur“ (1791-1793).145 Als Herausgeber fungierten diesmal Johann Schauff aus Preßburg und Ignáz Alberti aus Wien. Das Blatt erschien unregelmäßig, die letzte Ausgabe datiert vom 30. 142 Potemra (1963) S. 66. 143 Lyzealbibliothek Bratislava (vollständig; Lyc B VIII. 369/1-4, 4 zv.). Ab 1784 mit dem Zusatz „oder Beyträge zur ungarischen Geschichte, Geographie, Naturwissenschaft und der dahin ein­schlagenden Literatur“. 144 Réz (1935) S. 13. 145 Lyzealbibliothek Bratislava (1791-1792, Lyc B VIII 370/1-2, 2 zv.), Ungarische Nationalbibliothek Budapest (OszK 23440, 23441). 75

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