Schiriefer, Andreas: Deutsche, Slowaken und Magyaren im Spiegel deutschsprachiger historischer Zeitungen und Zeitschriften in der Slowakei - Interethnica 9. (Komárno, 2007)
4 Quellen- und medienkritische Erläuterungen
angeblich Auflösungserscheinungen des Reiches begünstigenden Diplom geäußert wurde.136 Neben der Unterstützung der Reichseinheit betrachtete man dann auch die slowakischen Belange nüchterner als noch in den vierziger Jahren. Aus Sorge um die Auflösung der Einheit der Monarchie war man nun gegen Bestrebungen der Slowaken nach Autonomie eingestellt.137 Zum Jahresende 1866 erschien in der Preßburger Zeitung ein Artikel des verantwortlichen Redakteurs Hermann Höchell, in dem er dem Leser vor allem die Standpunkte der Zeitung angesichts der Entwicklung im Lande darlegte. Neben der konsequenten Verurteilung der Jahre zwischen 1849 und 1860 als einem absolutistischen Regime, sprach er sich vor allem für Konstitutionalismus und den wünschenswerten Ausgleich mit Österreich aus. Daneben gelte es auch, sich für Rechte und Autonomie von Munizipien und Gemeinden einzusetzen, wobei vor allem auch die Zeitungen gefordert seien. Dementsprechend wurde schließlich der Ausgleich von der Preßburger Zeitung herzlich begrüßt, auch fernerhin gab man sich patriotisch und pro konstitutionalistisch.138 Für die Presse erhoffte und erwartete man nun einen erweiterten Wirkungskreis, den man auch nützen wollte, um aktiv am Geschehen im Lande teilzunehmen.139 Auch zum neuen Jahr 1868 würdigte man die Ereignisse des vergangen Jahres. Viel - nicht alles - sei in diesem Jahr geschafft worden. Ausdrücklich werden dabei die Beendigung der sogenannten Provisorien und die neue Staatsform des Dualismus angeführt.140 Bezüglich der Presse selbst wird 1868 noch die hohe Steuerlast angeführt, die auf dem Zeitungswesen laste und die noch aus „absolutistischer Zeit" stamme. Die Presse sei daran beteiligt gewesen, diesen Absolutismus zu stürzen, doch die Steuer sei ihr auch danach erhalten geblieben.141 136 Etwa Preßburger Zeitung, 14. März 1861 „Ungarn und die Einheit des Kaiserstaates“. 137 Siehe dazu etwa den Artikel aus der Preßbuger Zeitung 24 vom 29. 1. 1850 „Hilfert gegen Palacky“, wo unmissverständlich geäußert wird: „Österreich [...] in eine Menge Länder und Ländchen zerspalten, unter eine Menge von einem nur schwachen Faden umschlungenen Völker und Völkchen verteilt - Österreich würde bald aufhören zu sein, würde dem unausweichlichen Zerfalle entgegengehen.“ 138 Siehe Preßburger Zeitung 127, 3. Juni 1867 „Blätter für die Angelegenheit der Preßburger Commune. Programm der Redaktion". 139 Höchell drückte diese Absicht in einer Einladung zur Pränumeration für das zweite Halbjahr 1867 wörtlich folgendermaßen aus: „Wurde der Tagespresse in Ungarn schon mit Aufhebung des Provisoriums ein erweiterter, schöner Wirkungskreis eingeräumt, so ist derselbe mit dem glücklich vollbrachten Ausgleich, dem die Krönung des Königs die Weihe gab, ein bedeutungsvoller geworden, und wir halten es für unsere heilige patriotische Pflicht, das uns anvertraute Feld mit erhöhter Umsicht und Energie zu cultiviren. Abgesehen von den politischen Tagesfragen, werden wir den Angelegenheiten unseres Vaterlandes die höchste Aufmerksamkeit schenken und mithelfen, zu fördern, was demselben zum Wohle gereicht. Wir halten speziell in dieser, wie in allen Beziehungen überhaupt unverrückbar fest an den Principien des wahren Constitutionalismus: der Freiheit, des geistigen Fortschritts, der materiellen Kräftigung, der nationalen und confessionellen Toleranz, der religiös-sittlichen Veredlung, der Humanität. [...]“ 140 Preßburger Zeitung 1, 2. Januar 1868 „Zum neuen Jahr!" 141 Preßburger Zeitung 122, 27. Mai 1868. 74