Schiriefer, Andreas: Deutsche, Slowaken und Magyaren im Spiegel deutschsprachiger historischer Zeitungen und Zeitschriften in der Slowakei - Interethnica 9. (Komárno, 2007)

3 Die historische Entwicklung Ungarns und seiner Bevölkerung innerhalb des Hagsburgerreiches

slowakischen politischen Kreise zeigten sich enttäuscht über das Ergebnis. Mit einigen Zugeständnissen versuchte aber die Wiener Regierung, die Lage zu beruhigen. So wurden die stärksten Widersacher der Slowaken wie Forgách aus ihren Ämtern entfernt und durch tolerantere Persönlichkeiten ersetzt sowie einige weniger einflussreiche Stellen mit Slowaken besetzt. Kollár etwa bekam eine Professorenstelle an der Wiener Universität. Auch Húrban und Štúr bot man Stellen in Kreisgerichten an, die sie jedoch, in dem berechtigten Gefühl, dort abgeschoben zu werden, ablehnten. Trotz allem blieben die einflussreichs­ten Stellen weiterhin in den Händen der Altkonservativen, die die den Slowaken zugestandenen Rechte auch weiterhin zu verweigern suchten. Am 21. November 1849 wurde vor dem Palast des Erzbischofs in Bratislava schließlich auch das slowakische Korps aufgelöst. In einem Abschlussbericht klagte Lewartowski die Behandlung der Slowaken durch die magyarischen Antkonservativen scharf an und lobte die Arbeit des Freiwilligenkorps, seiner Führungsriege (Daxner, Francisci u.a.) sowie der Vertreter des Nationalrates SNR. Seine Worte verklangen jedoch in der schon gut funktionierenden Zensur. In der Folge wurden Magyaren wie Nichtmagyaren zunächst Bestandteile des zentralistischen Systems des Neoabsolutismus. Auch wenn die Slowaken viele ihrer politischen Ziele vor und während der Revolution nicht erreichen konnten, so lassen sich doch auch positive Entwicklungen erkennen, etwa die Verringerung der konfessionellen Differenzen, Fortschritte bei der Schaffung einer gemeinsamen Sprache sowie in Literatur und Kultur. Bedeutung erlangte nach der Revolution auch die Ernennung Kollars zum Vertrauten der Regierung und Ende 1849 zum Professor in Wien. Dennoch mussten die Slowaken nach der Revolution in Ungarn ihre Ansprüche mehr und mehr hintanstellen. Bis 1857 gab es keine rein slowakischen Schulen mehr. Allerdings hing dies nicht nur allein mit der Politik zusammen. In vielen slowakischen Familien wurde kein Wert mehr auf die slowakische Erziehung der Kinder gelegt, da eine deutsche Ausbildung die Zukunftschancen erhöhte. Štúr und seine Anhänger betrieben auch während der Ära Bachs ihre Politik der sogenannten „drobná práca“ weiter. Zunächst erschien dieser Weg recht hoffnungsvoll. Die „Slovenské noviny“ in Wien ermunterte die Slowaken zur Initiative im Hinblick auf die Einführung der Verfassung und die Wahlen zum Reichstag und auch die Regierung ging ermunternde Schritte hinsichtlich des slowakischen nationalen Lebens. Die ungarische Sprache verschwand zuguns­ten der slowakischen (neben der deutschen) aus den Ämtern. In Bezirks- und Gemeindeämtern verwendete man faktisch die slowakische Sprache. Viele Slowaken gelangten in - meist untere - Ämter, in die höheren dagegen Adlige, die Sympathien für die Slowaken zeigten. Das Unterrichtsministerium erließ Verordungen zur Slowakisierung des Schulwesens, welche aber, wie oben be­reits erwähnt, nicht immer erfolgreich waren. Jedoch resignierte gerade Štúr mehr und mehr. 1853 schrieb er mit seinem Buch „Das Slawenthum und die Welt der Zukunft“ ein Manifest des Pan­slawismus. Anstatt in der Föderalisierung Österreichs, die er aufgegeben 57

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