Schiriefer, Andreas: Deutsche, Slowaken und Magyaren im Spiegel deutschsprachiger historischer Zeitungen und Zeitschriften in der Slowakei - Interethnica 9. (Komárno, 2007)
3 Die historische Entwicklung Ungarns und seiner Bevölkerung innerhalb des Hagsburgerreiches
hatte81, sah er die Erlösung der Slowaken in einer russischen Intervention. Das Buch erschien erst 1867 in Russland. Mehrere Faktoren verhinderten, dass die Slowaken nach 1849 ihre erhofften Ziele auch erreichen konnten. Gogoläk sieht entscheidende Faktoren zum einen im Willen der österreichischen Regierung selber, die auf Zentralisierung setzte und eine stärkere Position vor allem der Slawen zu verhindern suchte, aber auch in der slowakischen Führungsriege selbst, die vor allem aus Literaten bestehend den Aufgaben nicht gewachsen war. Er zieht folgendes Fazit für die vergebliche Situation der fünfziger Jahre: „Die Hoffnung der jungslowakischen Führung, sich als eine gegen die Magyaren mitkämpfende Gefolgschaft der kaiserlichen Sache der Geschäfte des slowakischen Volksgebietes von Nordungarn zu bemächtigen, erwies sich als verfrüht und eitel. Diese 1850 schon verwelkte Hoffnung war letzten Endes voll von Widersprüchen und unlösbaren praktischen und ideologischen Aporien: Die aus Literaten bestehende slowakische politische Elite war einer straffen Amtsführung nicht gewachsen, juristisch unerfahren und nicht ausgebildet; diese begeisterte und 1850 schon eine tiefe Ernüchterung zeigende Elite folgte fernerhin der an Unmöglichkeit grenzenden Idee, daß eine deutsche Macht, wie die kaiserlich-österreichische, im voraus willens wäre, ein Land der bewußten Slawisierung, durch eine unausgegorene slawische politische Klasse sowie einer slawischen plebejischen Bauerndemokratie zu überantworten.“82 Während des Neoabsolutismus gelang es also nicht, die politischen Anliegen der Slowaken voran zu bringen.83 Als am Anfang der 60er Jahre das Regime erschüttert wurde und Zugeständnisse machen musste, konnten die Slowaken von den in Gang gekommen Verhandlungen über einen Ausgleich zwischen Österreich und Ungarn wieder nicht profitieren, da das slowakische Volksgebiet bei den österreichischen und den magyarischen Führungspersönlichkeiten weiterhin als integrierter Bestandteil des Königreichs Ungarn galt. Die slowakische Frage war nicht eigentlich Gegenstand der im Jahre 1860 sich anbahnenden österreich-ungarischen Ausgleichsversuche.84 Nachdem der Neusohler Bischof Stefan Moyses85 schon in den 50er Jahren mit einiger Nachhaltigkeit das Projekt einer slowakischen Autonomie nach dem Vorbild Kroatien-Slawoniens andachte, legte Štefan Marko Daxner Anfang der 60er Jahre die Grundprinzipien der nationalen Politik der Slowaken auf Grund demokratischer und naturrechtlicher Grundsätze fest.86 Nach seiner Ansicht existierte Ungarn nur insoweit, „inwieweit wir in ihm existieren; es kann nur in dem Maße von uns anerkannt werden, inwiefern wir in ihm Anerkennung finden".87 Mit 81 Kováč (2001) S. 39. 82 Gogolák (1972) S. 18/19. 83 Gogolák (1972) S. 31. 84 Gogolák (172) S. 31. 85 Štefan Moyses (Geb. am 24.10.1797 in Veselé, gest. am 5.7. 1869 in Žiar nad Hronom) Repräsentant sowohl der kroatischen als auch der slowakischen nationalen Bewegung. 86 Siehe Holotik (1985) 775-800. 87 Holotik (1985) S. 779. 58