Schiriefer, Andreas: Deutsche, Slowaken und Magyaren im Spiegel deutschsprachiger historischer Zeitungen und Zeitschriften in der Slowakei - Interethnica 9. (Komárno, 2007)
3 Die historische Entwicklung Ungarns und seiner Bevölkerung innerhalb des Hagsburgerreiches
das Slowakische sei ein Dialekt einer alten tschechischen Sprachform. Schließlich gelang ihm mit der 1852 herausgegebenen slowakischen Grammatik der Kompromiss zwischen seinem und dem Idiom Bernoläks und damit die Grundlage für ein Aufblühen der slowakischen Literatur. Gleichzeitig wurde damit den slowakischen Autoren die Möglichkeit eröffnet, an der europäischen Bewegung der Romantik teilzunehmen. Bei all der Bedeutung, die die Ausbildung einer eigenen slowakischen Sprache auch im politischen Sinne für das Volk der Slowaken darstellte, zeigte sich doch auch schon hier der Rückstand, den die Slowaken gegenüber den Nachbarvölkern, vor allem Tschechen und Magyaren, aufzuholen hatten. Während diese sich schon voll auf die Ausbildung beziehungsweise Stärkung ihrer Nation im politischen Sinne konzentrieren konnten, verstrickten sich jene noch in Debatten um ihre Literatursprache. Darüber hinaus fehlten zunächst die politischen Ziele der Slowaken und ebenso eine breitere Führungsschicht, die sich um die Durchsetzung dieser Ziele gekümmert hätte. Die dünne Schicht slowakischer Adliger hatte sich schon frühzeitig im Laufe des 18. Jahrhunderts freiwillig magyarisiert und sich von ihren slowakischen Wurzeln entfernt. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verstärkte sich der Druck, der von den nationalstaatsbewussten Magyaren auf die Nichtmagyaren und hier vor allem auf die Slawen ausgeübt wurde. Wenn sich die liberalen Forderungen nach Demokratie bei Slowaken und Magyaren auch ähnelten, verfehlten es die letzteren dennoch, auch die nationalen Rechte der Nichtmagyaren anzuerkennen. Stömungen innerhalb der Magyaren, die darin eine Gefahr erkannten, wurden zugunsten der Radikalen immer mehr in den Hintergrund gedrängt. Noch beim Sturz Metternichs am 13. März 1848, den auch Štúr hoffnungsvoll begrüßte, hoffte er auf eine Einigung mit den reformbewussten Ungarn. Nach der slowakischen Nationalversammlung von Liptovský Svätý Mikuláš am 10. Mai 1848 und der Veröffentlichung der Forderungen der slowakischen Nation entfernte man sich jedoch von der Möglichkeit eines Ausgleichs mit den Ungarn. Dort drückte man den Wunsch aus, die Suprematie der magyarischen Nation durch eine echte Gleichberechtigung der Nationen in Ungarn zu ersetzen. In den Bereichen Verwaltung, Gerichtswesen, Schulwesen und Kultur strebte man daher die nationale Autonomie an. Garantien für diese Gleichberechtigung sollten durch Erweiterung der demokratischen Rechte wie ein allgemeines Wahlrecht sowie eine vollkommenere Presse-, Versammlungs- und Vereinsfreiheit entstehen. Für die Bauern sah man die Abschaffung der Urbariallasten für alle Bauern und alles Land vor. Das Ackerland sollte an die Bauern zurückgegeben und die letzten Adelsprivilegien aufgehoben werden.70 Statt der Durchsetzung dieser Maßnahmen kam es nach der Versammlung jedoch zur Verhaftung ihrer Verfasser, so dass die Slowaken sich nun endgültig von 70 Nach Ludwig Holotfk: Die Slowaken. In: Die Habsburgermonarchie 1848-1918, hrsg. v. Adam Wandruszka und Peter Urbanitsch, Band 3/2, Wien 1985, S. 775-800. 51