Schiriefer, Andreas: Deutsche, Slowaken und Magyaren im Spiegel deutschsprachiger historischer Zeitungen und Zeitschriften in der Slowakei - Interethnica 9. (Komárno, 2007)
3 Die historische Entwicklung Ungarns und seiner Bevölkerung innerhalb des Hagsburgerreiches
Ungarn abwendeten und ihr Heil bei anderen slawischen Nationen auf dem Prager Kongress suchten. Doch hatte sich schon bei den Vorbereitungen zum Kongress Ende April 1848 gezeigt, dass Štúr auch dort aufgrund Grund seiner ablehnenden Haltung in der tschechoslowakischen Frage bzw. seinen Bemühungen um eine eigene slowakische Schriftsprache nicht die gewünschte Unterstützung fand. So blieb schließlich nur die Möglichkeit, Hilfe in Wien zu suchen beziehungsweise von den Spannungen zwischen Wien und Pest zu profitieren. Diese sich vor allem im Juli und August 1848 verschärfende Situation veranlasste die slowakischen Repräsentanten, das heißt die Mitglieder der nationalpolitischen Bewegung, sich für bewaffnete Auseinandersetzungen zu rüsten. Dies geschah außerhalb der Slowakei vor allem durch Húrban, Štúr und Hodža.71 In Wien warb man Freiwillige für dieses Unternehmen an, die sich im Kern vor allem aus tschechischen und mährischen Studenten rekrutierten, die im Juni schon auf den Prager Barrikaden gekämpft hatten. Als Zentralorgan gründeten die Slowaken am 16. September in Wien den Slowakischen Nationalrat (SNR) und damit ihr erstes nationalpolitisches Organ überhaupt. Als Hauptvertreter des Nationalrates fungierten Húrban, Štúr und Hodža. Im Vorfeld des Aufstandes wurden die Aktionen in der Slowakei im Geheimen vorbereitet. Von der Gegend um Myjava (mit Rückzugsmöglichkeiten nach Mähren) sollte sich der Aufstand zügig durch Turiec bis zu den mittelslowakischen Bergstädten ausbreiten. Durch einen solchen Erfolg unterstützt sollte der Aufstand schließlich Ausmaße erreichen, der die gesamte slowakische Nation umfasste. Offenbar erhoffte man sich einen schnellen Erfolg, so dass Ausbildung und Ausrüstung der Freiwilligen wie die finanzielle Unterstützung insgesamt nur sehr mangelhaft waren. Entscheidend sollte die Stellung der Wiener Regierung werden. Im Vorfeld des bewaffneten Aufstandes wurden unter der slowakischen Bevölkerung in den betreffenden Gebieten Broschüren und Propagandamaterialen verteilt. Man klagte darin die ungarische Politik der nationalen Unterdrückung und Magyarisierung an und verteidigte damit den Entschluss, neben Kroaten und Serben zu den Waffen zu greifen. Nicht für einen erfundenen Panslawismus wolle man kämpfen, sondern für Gleichberechtigung innerhalb Ungarns. Die slowakische Bevölkerung solle sich der Pester Regierung und Bürokratie nicht unterordnen. Im September 1848 schließlich wagten die Slowaken den Aufstand. Den eigentlichen Sinn und Ziel ihres Kampfes definiert Holotik mit der „Sicherung der Eigenständigkeit der slowakischen Nation durch staatsrechtliche Garantien und durch demokratische Änderungen im ökonomisch-gesellschaftlichen und politischen Bereich, die der damaligen fortschrittlichen Richtung der gesellschaftlichen Entwicklung in Europa entsprachen.“72 Am 17. September versammelten sich 500 Freiwillige auf dem Wiener Prater, zogen nach Mähren und brachen von dort am Abend des 18. September in Myava ein. Dort riefen Štúr 71 Für genaue Informationen zu den Entwicklungen siehe Dušan Škvarna, Septembrové ozbrojené povstanie roku 1848, In: Dejiny Slovenska, Bratislava 1992, S. 46-107. 72 Holotľk (1985) S. 777. 52