Schiriefer, Andreas: Deutsche, Slowaken und Magyaren im Spiegel deutschsprachiger historischer Zeitungen und Zeitschriften in der Slowakei - Interethnica 9. (Komárno, 2007)
3 Die historische Entwicklung Ungarns und seiner Bevölkerung innerhalb des Hagsburgerreiches
Mährens und Niederösterreichs auf westliche Gebiete der heutigen Slowakei. Karl der Große und seine Nachfolger begannen bereits mit einer systematischen Christianisierung des Landes. Mit der Vertreibung Pribinas durch den Mährischen Fürsten Mojmír I. (830-846) im Jahre 830 datiert man den Beginn des Großmährischen Reiches, dass für die Slowaken bis heute eine hohe Bedeutung für das nationale Selbstverständnis genießt. Der Nachfolger Mojmľrs, Rastislav (846-870) brachte die Brüder Cyril und Method ins Land, die die Missionierung - nach slawischem Ritus - fortsetzten. Seit Anfang des 10. Jahrhunderts, genau genommen seit 907 (Schlacht bei Preßburg) lebten die Slowaken unter der Herrschaft der Magyaren. An dieser Stelle, die die Geschichte der Slowaken für viele Jahrhunderte mit dem Schicksal Ungarns verband, erlaube ich mir einen Schnitt und einen großen Sprung in der Zeit. Der entscheidende Abschnitt der slowakischen Geschichte für diesen Beitrag beginnt mit dem Prozess der nationalen Erwachens, in der Gelehrte begannen, sich mit der Geschichte, Kultur und Sprache des eigenen Volkes näher zu beschäftigen.63 Entscheidende Bedeutung erlangte hier Anton Bernolák.64 1787 verfasste er die erste slowakische Grammatik und Rechtschreibung auf der Grundlage des westslowakischen Dialektes.65 Jedoch konnte sich die von ihm geschaffene Schriftsprache in der Folge nicht durchsetzen. Dagegen sprach die Exklusivität des westslowakischen Idioms, welches teilweise in der Mittelslowakei schon nicht mehr verstanden werden konnte, sowie der Unwille der slowakischen Protestanten - etwa Ján Kollár66 oder Pavol Jozef Šafárik67 - die mehrheitlich an einem mit Slowakismen angereicherten Tschechisch festhielten. Mit Juraj Fándly gründete Bernolák 1792 die Slowakische Gelehrte Gesellschaft (Slovenské učené tovarišstvo), und damit die erste slowakische nationale Institution, deren 581 Mitglieder ein Netzwerk über die ganze Slowakei bildeten. Erst Ľudovít Štúr war es Vorbehalten, durch sein Wirken die heute noch gültige 63 Das Interesse steht hier zunächst in engem Zusammenhang mit der Aufklärung, siehe zu den kulturgeschichtlichen Einflüssen noch besonders: Holm Sundhausen: Der Einfluß der Herderschen Ideen auf die Nationsbildung bei den Völkern der Habsburger Monarchie, München 1973 [Buchreihe der Südostdeutschen Historischen Kommission, Bd. 27], sowie auch Ludwig v. Gogoläk: Beiträge zur Geschichte des slowakischen Volkes II. Die slowakische nationale Frage in der Reformepoche Ungarns (1790-1848), München 1969 [Buchreihe der Südostdeutschen Historischen Kommission, Bd. 21]. 64 Beachte vorher auch den katholischen Pfarrer Juraj Papánek mit seiner Schrift: História gentis Slavae. De regno regibusque Slavorum, 1780, der hier vor allem Wert legte auf Geschichte und Nation der Slowaken, weitere Informationen bei Sundhausen, 1973. 65 Dissertatio philologico-critica de litteris Slavorum, 1787, er kritisierte hier die Idee einer nationalen Einheit zwischen Tschechen und Slowaken auf der Basis einer gemeinsamen Literatursprache. 66 Ján, Kollár (Geb.: 29.7.1793 Mošovce, gest.: 24.1.1852 Wien), Theologe, Schriftsteller, Slawist. 1806-1819 Studium in Kremnica, Neusohl, Preßburg und Jena. Verfechter einer tchechoslowakischen Zusammengehörigkeit und Sprache. 67 Pavol Jozef Šafárik (Geb.: 13.5.1795 Kobeliarovo, gest.: 26.6.1861 Prag), Schriftsteller, Linguist, Herausgeber, Übersetzer. 1810-1817 Studium in Käsmark und Jena. Führender Vertreter der Forschung zu slawischer Geschichte und Literatur. 49