Liszka József (szerk.): Az Etnológiai Központ Évkönyve 2000-2001 - Acta Ethnologica Danubiana 2-3. (Dunaszerdahely-Komárom, 2001)
1. Tanulmányok - Kovačevičová, Sona: A határ mint kultúrtörténeti probléma
sind. Dazu trugen auch die frühzeitige Mechanisierung der Gutshöfe und die Arbeit der Saisonarbeiter, die aus der Nordsiowakei kamen, bei. Und gerade dieser Umstand führte, ähnlich wie in Südostungam, zur Gründung von Arbeitervereinen, deren Mitglieder multiethnischer Herkunft waren. Durch die Aufklärungsarbeit dieser Institutionen gelangten nicht nur neue landwirtschaftliche Kulturen, Arten der Bekleidung und der Speisezubereitung in die Bergregionen der Slowakei, sondern auch die Gründung von Selbsthilfegeld- und Lebensmittelgenossenschaften ist darauf zurückzuführen (Kovačevičová, Hrsg. 1990, Kap. I, Karten: 20, 24). Dies ist nur das erste Beispiel der Kooperation der ungarischen, deutschen und jüdischen Bevölkerung mit der Bevölkerung aus der Oberslowakei. Ich halte es jedoch für notwendig, auf den Charakter des Bodens und die Ankunft der altmagyarischen Stämme in diesem Gebiet zurückzukommen. Es stellt sich die Frage, warum sich diese Stämme gerade hier, ähnlich wie in der Ostslowakei im Tal des Bodrog, niederließen. In der von uns untersuchten Region bildete die Donau eine wichtige Wasserstraße, neben der, vom Südosten kommend, eine Handelsstraße nach Mitteleuropa führte. Ihre zahlreichen und gefährlichen Nebenarme konnten nur an Furten überquert werden. Eine solche lag beim heutigen Štúrovo/Párkány (Parkan), die zweite unterhalb Bratislava (Preßburgs). Ihre Bedeutung kannten auch die römischen Feldherren, die an diesen Furten Militärlager errichteten. Bei Bratislava, in Rusovce war das Gerulata, bei Komárno (Komom) in der Gemarkung der Gemeinde Iža Kelemantia, das sogenannte Leányvár. Die frühmittelalterlichen und großmährischen Siedlungen entstanden nördlich der Kleinen Donau. Die relativ dichte Besiedlung betraf aber nicht das mittlere und sumpfige Gebiet der Großen Schüttinsel. Und gerade hierher drangen die altmagyarischen Stämme vor. In den Fluren der in die Kleine Donau einmündenden Flüsse gruben Archäologen, ähnlich wie im Tal des Bodrog, altmagyarische Fürstengräber aus. Zu der Zeit kam es zu einem Zusammenleben der örtlichen slawischen bäuerlichen Bevölkerung und der altungarischen Krieger bzw. Viehzüchter, was Funde der sogenannten Belobrdo-Kultur belegen. Das bestätigte auch die Publikation von Matúš Kučera, in der der Autor neben historischen, archäologischen und heraldischen Belegen zusammen mit dem Linguisten E. Pauliny auch sprachliche Belege anführen konnte (Kučera 1974; Pauliny 1979). Es handelte sich eindeutig um ein Zusammenleben und eine Arbeitsteilung zwischen beiden Ethnien und nicht um eine Devastation, was ältere Arbeiten nachweisen wollten. Aus dieser fernen Vergangenheit kehren wir nun näher in die Gegenwart zurück. Die Donau und der Charakter des Bodens machen der Bevölkerung ungeachtet der Ethnizität das Leben schwer. Schon ältere medizinische Forschungen stellten fest, daß das Durchsickern von Stickstoffen aus den Mistgruben in die Brunnen eine hohe Säuglingssterblichkeit bewirkte. Ein weiterer Mangel war das Fehlen von Jod im Wasser, das ein Wachsen der Schilddrüse und eine Verlangsamung des Wachstums der Kinder zur Folge hatte und sogar bis zu seelischen Störungen führen konnte. Dieser Mangel wurde im 20. Jahrhundert durch Jodzugabe zum Salz behoben; den zweiten Mangel beseitigten Wasserleitungen, häufig aus großen Entfernungen kommend. Aber die Gefahr besteht weiter, insbesondere dort, wo das Wasser aus privaten flachen Brunnen geschöpft wird. Im Stromgebiet der Donau bilden Überschwemmungen, hervorgerufen durch eine starke Schneeschmelze in den Alpen, die größte Gefahr. Die letzte große Hochwasserwelle kam 1965 und zerstörte die Schutzdämme. Sie überschwemmte 66 Dörfer mit überwiegend ungarischer Bevölkerung. Damals zeigte sich der menschliche Zusammenhalt der slowakischen und ungarischen Bevölkerung. Die oberslowakischen Dörfer gewährten nämlich der betroffenen ungarischen Bevölkerung Zuflucht. 144