Liszka József (szerk.): Az Etnológiai Központ Évkönyve 2000-2001 - Acta Ethnologica Danubiana 2-3. (Dunaszerdahely-Komárom, 2001)

1. Tanulmányok - Kovačevičová, Sona: A határ mint kultúrtörténeti probléma

Die Regierung half beim Aufbau mit Ratschlägen und Baustoffen. Es lagen auch Pläne fur einen zentral gelenkten modernen ländlichen Siedlungsbau vor. Zu einer Realisierung kam es allerdings nicht aufgrund der während des Wiederaufbaus und der Neugestaltung in der Ostslowakei gemachten negativen Erfahrungen. Obwohl die Beschaffenheit dieses Bodens bekannt war, nahm die sozialistische Regierung, weil sie der Bevölkerung Arbeit verschaffen und dabei die Republik mit teuren importierten Rohstoffen und Halbprodukten versorgen wollte, drei mégalomane Bauten in Angriff. Bis heute gefährdet ihre Durchführung nicht nur die Bevölkerung, sondern auch Flora und Fauna weiter Teile der slowakischen und ungarischen Umgebung. Der erste Bau war eine riesige Raffinerie, die durch schlecht gebaute Kläranlagen, die unter dem Kiesboden der Großen Schüttinsel liegen, das Trinkwasser zu verseuchen drohte. Der zweite Bau war die Stickstofffabrik in Šaľa, deren giftige Abfälle sich weit über das Grundwasser verbreiten, und eine hohe Sterblichkeit der Bevölkerung an Krebs verursachen. Der dritte Bau ist die Stauanlage Gabčíkovo, die über Jahrzehnte Anlaß zu Streitigkeiten zwischen der (Tschecho)Slowakei und Ungarn gab. Dabei wußte die Mehrheit der Fachleute, daß seinerzeit auch kleine Staustufen - Kaskaden - in die Überlegungen einbezogen wurden, die niemanden bedroht hätten. Es gewann die sozialistische Megalomanie und wir haben ein “slowakisches Meer”. Es stimmt allerdings, daß die Stauanlage das Wasser der Donau reguliert, und es auf dem Gebiet der Großen Schüttinsel und vielleicht auch weiter flußabwärts nicht mehr zu zer­störerischen Überschwemmungen kommt. Die schon erwähnten Furten ermöglichten auch die vielfältigsten Kontakte. Zu den schmerzlichsten, unter denen die Bevölkerung litt, gehörten die Feldzüge, beginnend mit den Tataren über Ritter Matthias Csák bis zu den Türken. Diese benutzten 150 Jahre lang die Parkanfurt (heutige Štúrovo) bei ihren Angriffen auf die heutige Slowakei. Sie gaben der Lokalität den Namen “Befestigter Brückenkopf’. Natürlich litt die örtliche Bevölkerung unter diesen Feldzügen ohne Unterschied der Ethnizität. Heute weiß kaum jemand in Europa, daß die Türken durch zwei verlorene Schlachten bei der Festung Neuhäusel (heute Nové Zámky) und Komom, die auf dem Gebiet der heutigen Slowakei liegen, die Macht über Mitteleuropa verloren. Die Aufgabe der Verteidigung übernahmen nicht nur die örtliche slowakische und ungarische Bevölkerung, sondern auch internationale Heere und Festungen, errichtet von ital­ienischen Ingenieuren. Aber die Türken waren nicht die letzten, die die strategische Straße entlang der Donau nach Norden benutzten. Dies geschah ebenfalls am Ende des Zweiten Weltkrieges, als während deutsch-sowjetischer Kämpfe 14 Dörfer zerstört wurden. Man weiß wenig über diese Opfer, noch weniger über ihren Wiederaufbau nach dem Krieg. Die Rekon­struktionsarbeiten erfolgten wie in Liptov (Liptau) in Selbsthilfe. Der Unterschied bestand aber darin, daß in Liptau Maurer mit einer großen Praxiserfahrung, die sie zwischen den Weltkriegen im Städtebau erworben hatten, ihre Dörfer als moderne Villen-Gartensiedlungen errichteten, während die Bewohner der zerstörten südlichen Dörfer, durch die während des Krieges Partisanen und Juden nach Ungarn gebracht wurden, ihre zerstörten Wohnstätten hingegen in traditioneller Bauweise aus Lehm aufbauten. Hier zeigte sich wenig oder kein Verständnis seitens der Nachkriegsregierung für die Belange des südlichen ungarischen Gebietes. 145

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