Liszka József (szerk.): Az Etnológiai Központ Évkönyve 2000-2001 - Acta Ethnologica Danubiana 2-3. (Dunaszerdahely-Komárom, 2001)
1. Tanulmányok - Hartinger, Walter: A népi kultúra szűk határainak fikciója
Dies gilt auch für jene Menschen, die wenigstens für eine bestimmte Zeit auf ihren beständigen Wohnsitz verzichteten, um irgendwo außerhalb Beschäftigung und Lebensunterhalt zu finden, die Wanderarbeiter. Sie gibt es in Niederbayem beispielsweise nicht erst seit dem 19. Jahrhundert, seitdem man Hopfen und Zuckerrüben anbaut. Früher kamen sie aus dem Bayerischen Wald, um bei der Ernte von Heu und Getreide zu helfen (Kapfhammer - Niedermayer 1976). Im Allgäu hat man auf diese Weise den zeitweiligen Bedarf an Hütpersonal gestillt, durch die sog. Schwabenkinder, die alljährlich in großen Scharen aus Vorarlberg und Nordtirol ins Vorland gezogen wurden (Kapfhammer 1980). In Norddeutschland übte man über Jahrhunderte hinweg die Hollandgängerei, d.h. die saisonale Arbeitswanderung in die Niederlande, um Torf zu stechen und Ziegel zu brennen. Nach Niederbayem kamen vor allem Arbeitstmpps aus Friaul und benachbarten oberitalienischen Regionen, um die für die beliebten Blankziegelhöfe benötigten Unmassen von Ziegeln herzustellen (Hierzu und auch kritisch zum Begriff der “Itakerhöfe”: Ortmeier 1995). Nicht zu gering sollte man ferner den üblichen Kontakt zwischen verschiedenen Gebieten veranschlagen, der aufgrund des Handels, des Austausches von Gütern, zuwegekam. Eine Autonomie der landwirtschaftlichen Betriebe gibt es in Deutschland spätestens seit dem 13./14. Jahrhundert nicht mehr. In diesen beiden Jahrhunderten sind nämlich mehr als viertausend Städte gegründet worden, die alle angewiesen waren auf Handelsbeziehungen untereinander und mit dem agrarischen Umland. Seit man in der Geographie das Modell der zentralörtlichen Beziehungen aufgestellt hat (Christaller 1968), sind auch die Volkskundler etwas stärker auf die große Bedeutung aufmerksam geworden, welche gerade der Stadt als Ursprung und Vermittlungsort für kulturelle Entwicklungen auf dem flachen Land zukommt (Kaufmann 1975; Wiegelmann 1978). So nimmt unsere Fastnacht sicherlich nicht ihren Ausgangspunkt von irgendwelchen kultischen Feiern, welche die heidnischen Bauern einstens begingen, sondern alles verweist auf die Stadt als Ausgangspunkt: auf die Kostümfeste der Patrizier, die festlichen Gelage der Bürgermeister und Ratsherren und die Umzüge von Metzgern und anderen Handwerkszünften, bevor die strenge Fastenzeit hereinbrach.5 Nicht recht viel anders ist es mit den Maibäumen, die heute nahezu jedes oberösterreichische und bayerische Dorf zieren. Hier wird man nicht ansetzen dürfen bei dem Baumkult unserer germanischen Vorfahren, sondern bei den Soldaten des 17. Jahrhunderts, die in irgendwelchen städtischen Kasernen lagen und ihren Vorgesetzten oder den lokalen Honoratioren durch das Aufstellen eines geschmückten Baumes eine Freude machten und dafür ein Trinkgeld einstrichen (Moser 1985). Der Weg von der Stadt aufs Land als kulturelle Einbahnstraße läßt sich auf vielen Gebieten herausarbeiten, im Hausbau sowohl, etwa bei der Verbreitung der Stube, wie auch in der Kleidung, bei der Einführung neuer Speisegewohnheiten (z.B. beim Essen aus separaten Tellern), bei der Einbürgerung neuer Heiliger, beim Aufkommen neuer Musikinstrumente und und und...6 Thorsten Hägerstrand hat in seinem Simulationsmodell die Häufigkeit von Innovationen direkt proportional gesetzt zu den Kommunikationskontakten 5 Moser 1967, 135-202; auf die länderumspannenden gemeinsamen Wurzeln in religiösen Traditionen bei der Fastnacht versucht seit einiger Zeit Dietz-Rüdiger Moser aufmerksam zu machen: Dietz- Rüdiger Moser 1986; Mezger 1991. 6 Ich muß auf Einzelbelege verzichten und verweise statt dessen auf die jüngsten Sammelschriften zur volkskundlichen Forschung mit dem Versuch einer Bilanzierung der bisherigen Ergebnisse Harvolk 1987; Brednich 1988. 114