Liszka József (szerk.): Az Etnológiai Központ Évkönyve 2000-2001 - Acta Ethnologica Danubiana 2-3. (Dunaszerdahely-Komárom, 2001)

1. Tanulmányok - Hartinger, Walter: A népi kultúra szűk határainak fikciója

(Hägerstrand 1970); und die epidemische Verbreitung der großen europäischen Seuchen seit dem ersten Auftreten der Pest 1348 fF ist unmittelbar abhängig von den beständigen über­lokalen Berührungen der Menschen (McNeill 1978). Die Fiktion von dem eingeengten Horizont der alten Volkskultur gilt auch für die sozialen Grenzen. Man dachte an einen weitgehenden Abschluß der Lebensgewohnheiten zwischen den einzelnen Gesellschaftsschichten, so wie sie sich in der Ständehierarchie abbilden. Dieses im groben richtige Bild wird häufig zu wörtlich genommen. In Wirklichkeit gab es in Mittelalter und früher Neuzeit vielfach auch sozialen Auf- und Abstieg. Allgemein bekannt ist die Entwicklung des sog. Ministerialenadels zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert (Spindler 1969, 42-65). Innerhalb von wenigen Generationen vollzogen Tausende von Familien den Aufstieg aus dem Stande von Unfreien, Abhängigen, Leibeigenen, Hörigen, quasi Sklaven, zum Stand von Adeligen, die selbstverständlich adelige Lebensformen an­­nahmen. Einen ähnlichen Vorgang können wir in den Städten beobachten (Bosl 1950-51 ; Bosl 1964). Umgekehrt hat die spätmittelalterliche Agrarkrise gerade wieder manchem Adeligen zu schaffen gemacht. Der Verfall der Getreidepreise hat ihn gezwungen, sich in städtische oder landesherrliche Dienste zu begeben, seine Kinder an Kaufleute, Handwerksmeister oder wohlhabende Bauern zu verheiraten und damit in einem anderen Stand aufzugehen. Die ungeheuere Bedeutung, welche Ehrlichkeit und Ehre im Leben der städtischen Handwerker spielten, ließe sich etwa auch erklären durch Einflüsse aus dem adeligen Bereich. Für eine kräftige Durchmischung unserer Gesellschaft haben vor allem Kriege und Epidemien geführt. Hier ist nicht nur zu denken an die Vertreibungen im Zusammenhang mit den Religionskriegen (Stichworte: Salzburger Exulanten und französische Hugenotten), son­dern an die Erbschaften und neuen Möglichkeiten für politischen, wirtschaftlichen und damit auch gesellschaftlichen Aufstieg, die sich ergaben, wenn eine Pestepidemie, ein langwieriger Krieg, ein verheerender Ausbruch von Flecktyphus usw. ein Viertel bis ein Drittel der Bevölkerung hinwegrafften. Anschließend aber gab es jedesmal eine Fülle von Erbschaften, wurden viele neue Heiraten geschlossen, konzentrierte sich der Besitz in weniger Händen. In den meisten deutschen Landschaften ist durch die Verknappung der Bevölkerung schon im Mittelalter die Leibeigenschaft praktisch hinfällig geworden; in Bayern wurden die schlechteren ländlichen Leiheformen der Freistift, der Neustift und des Leibrechts etc. kontinuierlich verändert hin zum Erbrecht. Es sind immer wieder nach solchen demographischen Einschnitten massenhaft bisherige Tagelöhner, Inleute und Knechte eingerückt in vollwertige Bauemstellen und haben anschließend auch das Leben von Bauern geführt (Hartinger 1985a). Schließlich spielte sich das Leben der Ständegesellschaft nicht in voneinander isolierten Kreisen ab, sondern hat sich dauernd überlappt. Wenn ein kleiner Adeliger auf seiner Burg oder in seinem Schloß zum Tanz aufspielen wollte, so blieb ihm gar nichts anderes übrig, als zum Schullehrer zu schicken, zu den übrigen Dorfmusikanten und vielleicht auch noch zum Türmermeister mit seinen Gesellen in der nächsten Stadt. Auf diese Weise hat manches Adelsfräulein Walzer, Polka und Mazurka kennengelemt und umgekehrt haben sich manches Menuett oder manche Gavotte und Française in die Spielhandschriften der Dorfmusikanten geschlichen. Beim Musizieren in der Kirche haben sich ebenfalls ländliches und hochschichtliches kirchliches Musikgut berührt und beeinflußt (Hartinger 1980). Als man im 17. Jahrhundert in den adeligen Salons begonnen hat, gezuckerten Kaffee zu schlürfen, da haben es die bessergestellten bürgerlichen Familien bald nachgemacht. Und wenig später hat man auch im bäuerlichen Haushalt und bei den Tagwerkem und 115

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