Koppány Tibor: A Sümegi vár és a Devecseri kastély reneszánsz kőfaragványai (Magyarország építészeti töredékeinek gyűjteménye 7. Budapest, 1995)
Tibor Koppány: Renaissance Baufragmente der Burg von Sümeg und des Schlosses in Devecser
letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts an in Buda angesiedelten italienischen Meistern geleitet wurden, und die ihre Beauftragungen von dem königlichen Hof bekamen. Die Werke wurden von hier nach Sümeg geliefert. Die übrigen Steinmetzarbeiten aus den naheliegenden bischöflichen Steingruben sind Werken von heimischen Meistern, die italienischen Formen angewandt haben. SCHLOSS IN DEVECSER An der östlichen Seite der Kleinstadt Devecser, etwa 20 km nördlich von Sümeg entfernt, in dichtem Laubwerk steht das ehemalige Schloss, in dem zur Zeit die Stadtbibliothek stattfindet. Trotz seiner äusseren und inneren Bauformen von barockem und historisierendem Charakter ist das Gebäude von spätmittelalterlicher Herkunft, und stand deswegen unter denkmalpflegerischem Schutz, ohne Benutzung. Im Jahre 1974 hatte man vor, im Gebäude ein Unterrichtszentrum zu errichten. Bevor der Anfertigung der Bauplänen, musste die denkmalpflegerische Forschung durchgezogen werden, infolgedessen erfolgte die Bauforschung zwischen 1974-1976 mit der Leitung des Verfassers dieser Zeilen. Aufgrund der Forschungsergebnissen konnte festgestellt werden, dass das Gebäude in mehreren Perioden gebaut wurde. Am südlichen Ende konnte ein im unteren Geschoss aus einem gewölbten, als Keller benutzten, im oberen Geschoss aus drei Räumen bestehenes Gebäude gesondert werden, vor dessen mittleren Raum erhob sich ein doppelstöckiger Turm. Dieser Gebäudetyp war die in anderen Stellen des spätmittelalterlichen Königtums Ungarn auch bekannte Adelresidenz. In den späteren Erweiterungen kamen Bruchstücke von gotischen Tür- und Fensterrahmen zum Vorschein. Auf Grund der im Laufe der historischen Forschung gefundenen, schriftlichen Quellen war der Besitzer der Siedlung die Familie Choron (Csoron), deren Mitglieder von dem 13. Jahrhundert an bekannt sind und die Generationen hindurch Famiiiares der königlichen oder der hochadligen Familien waren. Die turmhafte, Adelsresidenz soll von einem Familienmitglieder Gergely oder Márton, der in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts lebte, gebaut werden. Der Sohn von Márton von Choron war jener András, der zu Beginn des 16. Jahrhunderts als Familier mehrerer einanderfolgenden Bischöffe von Veszprém, ab 1522 Castellan der Sümeger Burg gleichzeitig wirschaftlicher Leiter der dorthin vollgebrachten Renaissance-Bauarbeiten war. Im Jahre 1537 wurde er bei dem König Ferdinand I. von Habsburg angeklagt, dass er sich selbst ein Schloss von königlichem Glanz in Devecser aus den materiellen Güter des Bistums von Veszprém bauen lassen wollte. Die Anklage soll wahr sein, zog aber infolge der Innenstreiten des Landes keine Konsequentzen nach sich. Im Jahre 1526 starb der ungarische König Ludwig II. Jagelló in dem gegen den eroberern osmanen Truppen verlorenen Krieg. Die ungarische Aristokratie hatte zwei Könige gewählt, was die innere Streiten bis zum Jahre 1541 verursachte. Die zwischen 1974 und 1976 am Ort durchgezogenen Bauforschungen bestätigten, dass er mit mehrmaliger Erweiterungen der spätmittelalterlichen, doppelstöckigen Residenz wirklich ein Renaissance-Schloss ausbauen liess. Aus den barocken und historisierenden Umbauungen des 18. und am Ende des 19. Jahrhunderts kamen viele Tür- und Fensterrahmen, Kamine und andere Baudetaile zum Vorschein.