Pamer Nóra szerk.: Gerő László nyolcvanötödik születésnapjára (Művészettörténet - műemlékvédelem 6. Országos Műemlékvédelmi Hivatal, 1994)

Pámer Nóra - Kovács Éva: Csabdi középkori templomának feltárt romjai és egy korpusz-lelet

Mittelalterliche Kirchenruine und Corpus-Fund im Dorf Csabdi Nóra Pamer - Éva Kovács Die freigelegte Kirche (Nóra Pamer) Das Dorf Csabdi bei Bicske (Komitat Fejér) liegt etwa 40 km von Budapest ent­fernt. Um die Mitte der Ortschaft wurden in einem verwahrlosten Friedhof 1969 die Uberreste einer Kirche aus der romanischen Zeit freigelegt. Der eine Kirch­turm - allerdings in ruinösem Zustand - steht noch immer, doch seine Zierde, das schöne Zwillingsfenster (auf Fotos von 1930 noch sichtbar) ist bereits zer­stört. Die Grabungen brachten die Grundmauern einer zweitürmigen, dreischif­figen Kirche zum Vorschein, die in zwei Bauperioden entstanden ist. In der ersten hatte die Kirche einen halbkreisförmigen Chor und nur ein Schiff, in der zweiten bereits drei. Dies beweist der Sockelstein rings um die einschiffige Kirche, denn - nachdem die Kirche an beiden Seiten mit je einem Nebenschiff ausgeweitet wurde - befindet sich der Sockelstein (unbegründet) nunmehr an der Innenwand der Nebenschiffe (die vormals die Außenwand der einschiffigen Kirche war). Am Ende der Nebenschiffe standen viereckige Türme, deren untere Ebene den Nebenschiffen zu offen war und gleichsan ihren Innenraum verlängerte. (Dies ist übrigens eine ungarische Eigenart, besonders im Falle der großen Stiftskirchen.) An der zum Hauptschiff gerichteten Seite des noch beste­henden Turmes ist der erste zur Krümmung überleitende Stein des Tonnenge­wölbes erhalten geblieben. Das mittlere Schiff war also mit einem Tonnengewöl­be überdacht, der obere Raumabschluß der Seitenschiffe ist uns jedoch unbe­kannt. Durch die 0,5 m hohen freigelegten Kirchenmauern führt seltsamerweise nur je ein Durchgang aus den Nebenschiffen ins Hauptschiff. Offenbar mußten die Tragsäulen oder - pfeiler des Tonnengewölbes auf einem fortlaufenden Sockel von mindestens 0,5 m Höhe stehen. Der Friedhof um die Kirche war von einem Graben und einer Mauer umgeben und diente noch im 18. Jh. als Bestattungsort. Schriftliche Angaben über die Errichtung oder den Bauherrn der Kirche stehen nicht zur Verfügung. Die zweitürmige Kirche erinnert an die großen Stiftskirchen des Landes, aber infolge ihrer Ausmaße in Miniaturformat (die westliche Fassade, die Türme mit­inbegriffen, ist knapp 12 m breit), ist sie einmalig im ungarischen Baudenkmal­gut. Vermutlich stand sie bereits gegen Mitte des 13. Jahrhunderts. Corpus Christi, von einem Prozessionkreuz (Éva Kovács) Vergoldet, Gußbronze H.: 5,3 cm, Br.: 3,3 cm (ursprünglich cca 5,1 cm) Vergoldung dick und relativ intakt; Rückseite beinahe glatt; nicht hohl. Anläßlich der Freilegung der mittelalterlichen Kirchenruine von Csabdi kam der Fund im Kirchenchor aus einem ausgeplünderten Grab zum Vorschein. Dem Grundtyp nach wird in gerader Positur der gekrönte, also über den Tod trium­phierende, lebende Christus dargestellt. Diese ikonographische Formulierung reicht in die spätkarolingisch-ottonische Zeit zurück. Dies bezeugt auch die Form des Lendenschurzes, der gewöhnlich die Plastik der Schenkel betont, hier aber bloß als dekorative Einritzung zu sehen ist.

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