Karl Alfred von Zittel: Handbuch der Palaeontologie. 1. Abtheilung, Paleozoologie. I. Band: Protozoa, Coelenterata, Echinodermata und Molluscoidea (München und Leipzig, 1880)

Einleitung - I. Begriff und Aufgasbe der Palaeontologie

Einleitung. Begriff und Aufgabe der Palaeontologie. Die Palaeontologie oder Versteinerungskunde ist die Wissen­schaft von den Versteinerungen oder die Lehre von den alten Lebewesen (Xóyog TWV TCUIOUWV OVTOOV ). Sie beschäftigt sich mit allen Fragen, welche die Eigenschaften, die systematische Stellung, die einstige Lebensweise, die räumliche Verbrei­tung und die zeitliche Aufeinanderfolge jener alten Wesen betreffen, sowie mit den Folgerungen, welche sich aus diesen Untersuchungen für die Entwicklungsgeschichte der Orga­nismen und der Erde überhaupt ergeben. Wären von sämmtlichen Lebewesen, welche ehemals die Erde be­wohnten, Ueberreste erhalten, so würde uns die Palaeontologie eine vollständige chronologische Reihenfolge aller Veränderungen im Bau und in der äusseren Formerscheinung der Organismen liefern und würden wir daraus mit grosser Sicherheit die zeitliche Entwicklungsgeschichte der verschiedenen Stämme des Pflanzen- und Thierreiches ableiten können. Bis jetzt ist jedoch die geologische Durchforschung der Erdoberfläche noch höchst unvollständig; ausgedehnte Ländergebiete sind in diesér Hinsicht gänzlich unbekannt, viele Erdschichten sind entweder unter anderen Ablagerungen begraben oder sie befinden sich unter dem Spiegel des Oceans, welcher fast zwei Drittheile der Erde bedeckt. Auch aus anderen, später näher zu erörternden Gründen, liegt nur eine geringe Anzahl der früher vorhandenen Organismen in der Form von Verstei­nerungen vor, mindestens ebenso viele sind verschwunden, ohne Spuren ihrer Anwesenheit hinterlassen zu haben. Zittel, Handbuch der Palaeontologie. 1

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